kommende Sondervorstellungen
WISE WOMEN - Fünf Hebammen, Fünf Kulturen
Sondervorstellung am So, 20.09., 11:00 Uhr, Gloria in Kooperation mit der Geburtshilfe des St. Josefskrankenhaus
Gespräch im Anschluss an die Filmvorstellung mit der Hebamme Julia Schuhmacher und der ltd. Oberärztin Ulrike Schmidt. Gemeinsam möchten wir wertvolle Einblicke geben und freuen uns auf den Austausch und die Inspiration rund um das Thema Geburt.
A 2025 | Regie: Nicole Scherg | 88 Min. | FSK 12
Dokumentarfilm
In WISE WOMEN begleitet Regisseurin Nicole Scherg fünf Hebammen aus verschiedenen Teilen der Welt bei ihrer Arbeit: Genet Gebru aus Äthiopien, Aïcha El Fathi aus Marokko, Kanchan Mala Shrestha aus Nepal, Gunda Gutscher aus Österreich und Sheila Santos aus Brasilien. Sie alle unterstützen Frauen in einem der intensivsten und prägendsten Momente ihres Lebens: der Geburt eines Kindes.
Wie Frauen gebären, geht uns alle an. In unterschiedlichen kulturellen, sozialen und medizinischen Kontexten unterstützen die Protagonistinnen Mütter bei einem universellen und zugleich zutiefst individuellen Prozess. Ob im modernen Krankenhaus, im selbstorganisierten Geburtshaus oder unter einfacheren Bedingungen in ländlichen Regionen: Die Hebammen bewegen sich zwischen Kontrolle und Unvorhersehbarkeit, denn eine Geburt folgt keinem Drehplan.
Frauengesundheit, das wird in diesem Film schnell deutlich, folgt immer wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen. WISE WOMEN zeigt eindrücklich, wie unterschiedlich die Voraussetzungen für eine sichere Geburt sein können.
Der Dokumentarfilm begreift Geburt als Grenzerfahrung und findet dabei intime, kraftvolle Bilder für den Beginn des Lebens, der einer Naturgewalt gleicht. Er würdigt jene Frauen, die diesen Moment begleiten und damit die Zukunft buchstäblich in ihren Händen tragen.
BIBI BLOCKSBERG - Die total verhexte Zeitreise
Kinderkino-Preview am Sonntag, 20.09.
Eigentlich steht für Bibi nur ein scheinbar langweiliges Praktikum im Museum an – doch als dort plötzlich ein wertvolles Exponat verschwindet, steht sie vor einem spannenden Rätsel, das es zu lösen gilt. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Marita verschlägt es sie dabei aus Versehen 139 Jahre in die Vergangenheit, wo sie nicht nur ein großes Unrecht verhindern, sondern auch den Weg zurück in ihre Zeit finden muss. Eine total verhexte Zeitreise beginnt!
WIE WIR WOLLEN
Sondervorstellung zum Safe Abortion Day am Di, 22.09., 19:00 Uhr, Gloriette in Kooperation mit pro familia Heidelberg und dem Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg.
Wir freuen uns auf eine Begrüßung durch unsere Bürgermeisterin Stefanie Jansen und das Nachgespräch mit unserer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Sandra Arendarczyk und Kirsten Schmitz (Leitung pro familia Heidelberg).
D 2021 | Regie: Sara Dutch | 98 Min.
Dokumentarfilm
Inwieweit ist der Zugang zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland eingeschränkt und warum?
WIE WIR WOLLEN ist ein kollektives, filmisches Portrait, in dem 50 Individuen zu Wort kommen, die in Deutschland eine ungewollte Schwangerschaft abgebrochen haben. Persönlich, nachdenklich, gespickt mit Witzen und Momenten der Empörung, bieten diese Erzählungen ein ermutigendes Gegennarrativ zum gesellschaftlichen Tabu rund um Abtreibungen.
WIE WIR WOLLEN blickt über die pro-choice / anti-choice Dichotomie hinaus, um kritisch zu hinterfragen, was es überhaupt bedeutet, eine freie Entscheidung zu treffen - in einer Gesellschaft, die Menschen durch cisheteronormative, rassistische, kapitalistische und be_hindertenfeindliche Strukturen unterdrückt. Welche Entscheidungsmöglichkeiten gibt es für wen und warum?
Im Jahr 2021 wird Paragraph 218, der Abtreibungen in Deutschland unter Strafe stellt, 150 Jahre alt. Vor dem Hintergrund eines weltweiten Angriffs auf reproduktive Rechte, ist WIE WIR WOLLEN ein zeitgemäßer Beitrag zum internationalen Kampf für körperliche Selbstbestimmung.
ASTRID LINDGREN - Die Menschheit hat den Verstand verloren
Sondervorstellung am Sonntag, 27.09., 11:00 Uhr, Kamera in Kooperation mit der Deutsch-Schwedischen-Gesellschaft Heidelberg e.V.
D/S 2025 | Regie: Wilfried Hauke | 98 Min.
Astrid Lindgren, die vor allem durch ihre Kinderbücher wie „Pippi Langstrumpf“, „Michel aus Lönneberga“ und „Ronja Räubertochter“ bekannt wurde, prägte mit ihren Werken Generationen von Leser*innen. Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren nähert sich der Autorin auf neue Weise, widmet sich ihren Tagebüchern, die zwischen 1939-1945 entstanden sind und erzählt von der noch unbekannten Astrid Lindgren als Chronistin des Zweiten Weltkriegs.
Die erst 2015 veröffentlichten und in mehr als 20 Sprachen übersetzen Kriegstagebücher von Astrid Lindgren lagen 70 Jahre lang in ihrem Schlafzimmer im Wäscheschrank verborgen. Sie sind eine einzigartige Dokumentation vom Schrecken der Diktatur und des Terrors aus der Sicht einer Mutter und frühen Feministin und appellieren leidenschaftlich an Mitmenschlichkeit, Frieden und Gleichberechtigung.
EXTRAWURST
Sondervorstellung im Rahmen der Interkulturellen Woche am Sonntag, 27.09., 16:30 Uhr, Gloria, in Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Heidelberg und der Katholischen Stadtkirche Heidelberg
anschließendes „interkulturelles“ Grillfest im Garten der Providenzkirche (Hauptstraße 90a)
Ein scheinbar banaler Vorschlag in einem Provinz-Tennisclub – ein zweiter Grill für das einzige muslimische Mitglied – löst eine hitzige Debatte über Integration, Vorurteile und Toleranz entfacht. Pointierte Dialoge, ein starkes Ensemble um Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst sowie feine Satire sorgen für unterhaltsame, teils nachdenkliche Kinomomente.
D 2025 | Regie: Marcus H. Rosenmüller | 98 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardim, Friedrich Mücke, Anja Knauer, Gaby Dohm
Eigentlich ist es reine Formsache: Heribert (Hape Kerkeling), langjähriger Vorsitzender des Tennisclubs Lengenheide, und sein ehrgeiziger Stellvertreter Matthias (Friedrich Mücke) lassen über die Anschaffung eines Grills für die nächste Vereinsfeier abstimmen. Der hippe Werbetexter Torsten (Christoph Maria Herbst), von Berlin in die Provinz ausgewandert, haut noch einen flotten Spruch raus, damit die dröge Versammlung ein schnelles Ende findet. Da schlägt seine Frau Melanie (Anja Knauer) vor, für ihren Doppelpartner Erol (Fahri Yardim), dem einzigen muslimischen Mitglied des Vereins, einen zweiten Grill zu kaufen. Denn gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen. Die gut gemeinte Idee führt Satz für Satz zu einem turbulenten Schlagabtausch, bei dem Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, Gutmenschen und Hardliner frontal aufeinanderprallen. Schnell wird allen klar: Es geht hier um viel mehr als einen Grill…
KONTROLLVERLUST
Shorts Attack! am Sonntag, 27.09., Gloriette
9 Kurzfilme & Heidelberg-Gewinnerfilm des Vormonats
#Error! – Durch Systemfehler und Überforderung ereignet sich Merkwürdiges. Ob auf Arbeit, im Restaurant oder bei der Fortpflanzung, ob im demokratischen Raum oder durch die Finanzwelt, defekte Kontrolle riskiert Gleichgewichtsstörung und setzt die Zukunft aufs Spiel. Augenzwinkernd und stringent zeigen 9 filmische Zwischenfälle gesellschaftliches Straucheln.
Am Ende gibt es ein Online-Voting. Zudem stimmen wir per "Applaus-O-Meter" für den Heidelberger Lieblings-Kurzfilm des Monats. Den Monatssieger zeigen wir jeweils im folgenden Monat bei den Shorts Attack! als Eröffnungsfilm.
THE LIFE OF CHUCK
Psychoanalyse & Film am Mittwoch, 30.09.26, 20:00 Uhr
Ein zauberhaft philosophischer Film über das Leben und den Tod nach einer Novelle von Stephen King.
vorgestellt von C. Pop (Gastreferentin aus Saarbrücken)
USA 2024 | Regie: Mike Flanagan | 110 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Tom Hiddleston, Mia Sara Mark Hamill, Chiwetel Ejiofor, Jacob Tremblay, Karen Gillan, Matthew Lillard
Wer ist Chuck? Die Welt geht unter, Kalifornien versinkt im Meer, das Internet bricht zusammen – doch in einer amerikanischen Kleinstadt herrscht vor allem Dankbarkeit gegenüber Charles „Chuck“ Krantz (Tom Hiddleston), einem gewöhnlichen Buchhalter, dessen Gesicht allen freundlich von Plakatwänden und aus dem Fernsehen zulächelt. Wer ist dieser Mann, den niemand wirklich zu kennen scheint? Ein Rätsel, das weit zurückreicht ... bis in dessen Kindheit bei seiner Großmutter (Mia Sara), die ihre unendliche Liebe fürs Tanzen an ihn weitergab, und seinem Großvater (Mark Hamill), der ihn in die Geheimnisse der Buchhaltung einweihte und unbedingt vor jenem der verschlossenen Dachkammer bewahren wollte. Ein Rätsel, das vor allem eine Frage aufwirft: Kann das Schicksal eines Einzelnen die ganze Welt verändern?
LÜGEN ÜBER MEINE MUTTER
Vorpremiere mit Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin Rosalie Thomass zum Literaturherbst Heidelberg 2026
am Donnerstag, 01.10., 19:15 Uhr - Gloria-Kino
D 2025 | Regie: Aron Lehmann | 106 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Rosalie Thomass, Elise Lindner, Golo Euler, Johanna Gastdorf, Juliane Köhler, Anneke Kim Sarnau, Rainer Laupichler
LÜGEN ÜBER MEINE MUTTER ist ein kraftvolles Plädoyer für weibliches Empowerment, ein zutiefst berührender und menschlicher Film und erzählt von der ersten großen Liebe unseres Lebens: der Liebe zwischen Mutter und Kind. Angesiedelt in der westdeutschen Provinz der 1980er Jahre, in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter Cornelia (Rosalie Thomass). Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann Werner (Golo Euler), der immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Cornelia ist dem ausgesetzt, Tag für Tag, während Tochter Ela (Elise Lindner) zwischen den Stühlen steht und zunehmend vom Vater infiltriert wird über die in seinen Augen unzumutbar dicke Mutter. Doch was ist die Wahrheit und wer belügt hier eigentlich wen?
Regisseur Aron Lehmann (WAS MAN VON HIER AUS SEHEN KANN) inszeniert auf Grundlage des Drehbuchs von Rosalie Thomass (JAGDSAISON, WÄLDERN) mit viel Einfühlungsvermögen und visueller Kraft eine lebensbejahende Geschichte. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Daniela Dröscher.
WOHIN MIT MIR
Sondervorstellung im Rahmen der Interkulturellen Woche am Sonntag, 04.10., 11:30 Uhr, Gloria
Filmgespräch mit Filmemacher Marvin Menné
D 2025 | Regie: Marvin Menné | 79 Min. | FSK 6
Dokumentarfilm
Majd und Shahfaisal leben in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Deutschland. Dort beginnen sie, sich selbst zu entdecken – als Teenager mit Träumen und Ängsten. Doch ihre Lebensrealität ist geprägt von drohender Abschiebung, familiärem Druck und gesellschaftlicher Ablehnung. Der Film begleitet die beiden durch ihren Alltag, der zwischen Hoffnung und existenzieller Unsicherheit oszilliert. Regisseur Marvin Menné beleuchtet eindrucksvoll, was nach der Flucht passiert und eröffnet einen empathischen Blick auf eine Lebensphase, die viele in Politik und Öffentlichkeit übersehen: das Erwachsenwerden im Ausnahmezustand.
PANS LABYRINTH
Klassiker-Filmreihe BEST OF CINEMA am Dienstag, 06.10., GLORIA
E 2005 | Regie: Guillermo Del Toro | 120 Min. | FSK 16
Darsteller: Ivana Baquero, Sergi López, Doug Jones, Ariadna Gil, Maribel Verdú
Im Jahr 1944, kurz nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs, reist die junge Ofelia (Ivana Baquero) mit ihrer hochschwangeren Mutter in ein abgelegenes Landhaus. Dort kommandiert ihr brutaler Stiefvater Captain Vidal (Sergi López) eine Einheit, die den letzten republikanischen Widerstand in den umliegenden Wäldern zerschlagen soll. Während sich die Realität durch Gewalt und Angst verdichtet, entdeckt Ofelia in der Nähe des Anwesens ein verborgenes Labyrinth. Dort begegnet sie einem rätselhaften Faun (Doug Jones), der ihr eröffnet, sie stamme aus einer vergessenen Unterwelt. Um dorthin zurückzukehren, müsse sie drei Aufgaben erfüllen. Zwischen militärischer Repression, der sich verschlechternden Gesundheit ihrer Mutter und den Prüfungen des Fauns beginnt für Ofelia eine gefährliche Reise an der Grenze zwischen Fantasie und Wirklichkeit.
PANS LABYRINTH ist ein Dark-Fantasy-Drama des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro, der für seine Verbindung von märchenhaften Motiven und historischen Stoffen bekannt ist. Der Film verknüpft Elemente des Fantasykinos mit einem realistischen Blick auf das Spanien der 1940er-Jahre unter franquistischer Herrschaft. In der Hauptrolle überzeugt Ivana Baquero als Ofelia, ergänzt durch Sergi López als autoritäre Vaterfigur. Del Toro entwickelte eine eigenständige Bildsprache, in der praktische Effekte, Maskenbild und symbolisch aufgeladene Figuren eine zentrale Rolle spielen. PANS LABYRINTH wurde bei der 79. Verleihung der Academy Awards® in sechs Kategorien nominiert und mit drei Oscars® ausgezeichnet (Kamera, Szenenbild, Maske). Insgesamt erhielt der Film 106 Auszeichnungen bei 115 Nominierungen. Er wurde von der internationalen Kritik vielfach rezipiert und zählt zu den bekanntesten Arbeiten del Toros.
FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS
Sondervorstellungen mit Regisseurin und Drehbuchautorin Doris Dörrie zum Literaturherbst Heidelberg 2026
am Freitag, 09.10., 17:45 Uhr - Gloria-Kino & 20:00 Uhr - Die Kamera
D 2026 | Regie: Doris Dörrie | 120 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Angela Winkler, Laura Tonke, Josef Ellers, Via Jikeli, Eugene Boateng, Zoë Baier
Im Jahr 2030 ist der ehemaligen Schauspielerin Frau Winkler (Angela Winkler) nichts mehr geblieben als ihre Tochter Emi (Laura Tonke) und Enkelin Billie (Zoë Baier). Ihr geliebter Ehemann und Bühnenpartner ist viel zu früh verstorben; aus ihrer Trauer hat Frau Winkler nie ganz herausgefunden und sich immer ganz auf Emi verlassen. Als diese, ebenfalls Schauspielerin, ein Theaterengagement annimmt und endlich ihr eigenes Leben in die Hand nehmen will, ist ihre Mutter nach einem Unfall plötzlich auf intensive Hilfe angewiesen, und es muss schnell eine Lösung her: ein Pflegeroboter, den die Krankenkasse stellt. Frau Winkler fühlt sich gedemütigt und wehrt sich vehement gegen die maschinelle Zuwendung. Doch dann entwickelt sich eine unerwartete Freundschaft zwischen der 80-Jährigen und dem äußerst „belesenen“ Roboter, den sie Pawlowitsch nennt und der zu ihrer Verzückung wunderbar Tschechow rezitieren kann. Aber Pawlowitsch ist nicht nur eine interessante neue Gesellschaft für Frau Winkler, er übermittelt auch ihre sich stetig verschlechternden Vitalwerte an ein auf Effizienz bedachtes Gesundheitssystem. Pawlowitsch verspricht, ihr beizustehen, aber kann eine künstliche Intelligenz einem Menschen ein Versprechen geben, das auch zu halten ist?
„Du Mensch!“
Sonderveranstaltung des Literaturherbst Heidelberg 2026 am Sonntag, 11.10., 11:00 Uhr, KAMERA
Literarisch-musikalisches LIVE-Hörspiel zum Festivalthemenschwerpunkt #MENSCH
mit Veronika Haas, Matthias Paul, Jutta Wagner, Tina Kuka (Gesang), Oliver Kuka (Gitarre)
„Du Mensch! Pfui, du bist kein Hund. Pfui, schäme dich!“, soll Schopenhauer ausgerufen haben, wenn er seinen Pudel Butz aufs Allerschärfste tadeln wollte. Schopenhauer, der Misanthrop, umgab sich lieber mit Hunden als mit Menschen, Patricia Highsmith zog die Gesellschaft von Schnecken vor, nahm manche von ihnen – versteckt in einer Handtasche – sogar auf eine Cocktailparty mit, Gérard de Nerval liebte es, mit einem Hummer durch Paris zu spazieren, Jean Paul züchtete hingebungsvoll Fliegen. Es sind jene skurrilen Eigenheiten, die Irrungen, Wirrungen und Kuriositäten, das Komische und das Tragische, die das genuin Menschliche in all seiner Liebenswürdigkeit und Fehlbarkeit ausmachen, – auch bei berühmten Dichtern, Denkern, Komponisten und Künstlern. Das LIVE-Hörspiel erzählt kaum bekannte Geschichten aus Tagebüchern, Briefen und Notizen und deckt etliche Skurrilitäten, geheime Phobien, Liebesweh- und Liebesglück, Versuchungen, bizarre Begebenheiten und reichlich mehr zutiefst Menschliches auf. Dabei kreist es auch um kulinarische Vorlieben berühmter Persönlichkeiten, um Verleger wie Ernst Rowohlt, der mit Wonne Glas aß, Alexandre Dumas, der über die exakte Garzeit von Elefantenfüßen berichtet, oder um Dali und das Püree aus der Kniekehle seiner Geliebten.
Das launige literarisch-musikalische Live-Hörspiel ist eine liebevolle Hommage an das genuin Menschliche, das uns Menschen eint und zeigt, dass selbst berühmte Dichter und Denker nicht vor Schlafproblemen, zunehmender Leibesfülle, Sorgen um den beruflichen Erfolg oder vor unliebsamen Kollegen gefeit sind.
HEIMSUCHUNG
Sondervorstellung mit Regisseur Volker Schlöndorff zum Literaturherbst Heidelberg 2026
am Sonntag, 18.10., 11:30 Uhr - Gloria-Kino
D 2026 | Regie: Volker Schlöndorff | 121 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Martina Gedeck, Susanne Wolf, Lars Eidinger, Michael Maertens, Ulrich Matthes
Ein malerisches Grundstück an einem See nahe Berlin, Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von den historischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts geprägt sind. Beginnend in den 1930er Jahren erwirbt ein jüdischer Tuchfabrikant für seine Familie einen Teil des Grundstücks, muss den Besitz jedoch bald wieder verkaufen. Ein Architekt und seine Frau errichten auf dem benachbarten Teil ein Haus im modernen Stil der Zeit. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs versucht der Architekt sich in Ostberlin zu verwirklichen, scheitert jedoch im DDR-System und flieht mit seiner Frau in den Westen. Das Haus wird einer Schriftstellerin und ihrem Mann übertragen, die die Nazi-Zeit im sowjetischen Exil überlebten. Ihre Enkelin wird dort in den Jahren bis zum Mauerfall ihre Sommer verbringen.
Regie-Legende Volker Schlöndorff, der für seine Verfilmung von Günter Grass‘ Roman „Die Blechtrommel“ mit einem Oscar und der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet wurde, widmet sich nun erneut einem Jahrhundert-Roman. Mit HEIMSUCHUNG – EINE JAHRHUNDERTGESCHICHTE entsteht die erste Verfilmung eines Buches der vielfach prämierten Schriftstellerin Jenny Erpenbeck.
WINTER-WEIHNACHTSSPECIAL
Sonderveranstaltung des Literaturherbst Heidelberg 2026 am Freitag, 18.12., 20:00 Uhr, GLORIA
Ein literarisch-musikalischer Romantik-Abend mit Veronika Haas, Matthias Paul, Jutta Wagner, Brigitte Becker (Klavier) und Barbara R. Grabowski (Gesang)
mit Begrüßungsgetränk und süßem Weihnachtsgruß
„Die Welt muss romantisiert werden“
Romantische Lebenskunstlehre zwischen Weihnachtsbraten und Sommer-Punsch, Zankäpfeln und Obst-Diät, Sehnsuchtsort und Klatschnest
„Die Welt muss romantisiert werden“, bringt Novalis die romantische Lebenskunstlehre auf eine einfache Formel: Denn wer das Gewöhnliche, das Alltägliche nur ein wenig romantisiert, verzaubert, der kann sie halten: die schöne Vorstellung vom kleinen oder auch vom großen Lebensglück. Kaum eine andere Stadt wurde – sommers wie winters – derart romantisiert wie Heidelberg: „Man kann hier bei Eis und Schnee nur an den Zuckerbäcker denken“, schwärmt Brentano, „wie dieses Land auch im Winter gesegnet ist“. Mit der Romantik wurde Heidelberg zum bis heute gefeierten und viel besuchten Sehnsuchtsort, dass sich Wilhelm Müller, der Dichter von Schuberts Winterreise, im ausgebuchten Hotel nur mit einer dunklen Dachkammer zu begnügen hatte. „Man müsste hier leben!“, ruft Victor Hugo begeistert, Eichendorff kürt die Stadt zur Heile-Welt-Oase, „als gäbe es nichts Gemeines auf der Welt“. Die einen schwärmen von Heidelberg, andere beklagen die hohen Preise, schon Lessing verprasste verzweifelt Geld beim Lottospiel. Für Helmina von Chézy ist Heidelberg „ein Zugnest und ein Klatschnest“. In den Restaurants werfen sich Romantiker und Romantik-Gegner gegenseitig grimmige Blicke zu, denn in keiner anderen Stadt wurde der Streit zwischen Klassik und Romantik derart leidenschaftlich ausgefochten wie in Heidelberg. Auch die Anreise oder die Fahrt mit Kutsche und Schlitten durch die Stadt waren oft gefährlich, weshalb Knigge in Heidelberg einen Elchtest für Kutschen erfindet. Im Schlitten wärmt sich Robert Schumann mit reichlich Rum, der ihn zudem darüber hinwegtröstet, dass es für ihn an Weihnachten in Heidelberg nur Stockfisch gab; Goethe beklagt die Missgeschicke, die einem widerfahren können: „Ich hab mir bey der Schlittenfahrt mit der Peitsche höllisch übers Aug gehaun“.
In ihrer Kunst und Weltanschauung verklären die Romantiker alle Widrigkeiten, auch jene, die sich in der Liebe, Ehe, Kindererziehung oder bei Familien- und Weihnachtsfesten einstellen können. Tagebücher, Reisenotizen und Briefe verraten indes, dass selbst die Romantiker oftmals ihre liebe Not mit der Romantisierung ihrer Welt hatten. Ein besonderes Live-Hörspiel, das Heidelberg zur Zeit der Romantik sommers wie winters lebendig macht, mit vielen unbekannten, ernsten wie humorigen Vorfällen und mit Kompositionen u.a. von Bettina von Arnim, Robert und Clara Schumann.