Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche
Filmreihe in Kooperation mit der Sammlung Prinzhorn
begleitend zur Ausstellung Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche, die bis 19. April 2026 in der Sammlung Prinzhorn zu sehen ist.
Wir zeigen vier Filme, jeweils mit Filmeinführung von Mitarbeiter*innen der Sammlung Prinzhorn.
Menschliche Identität entsteht fortwährend im Erleben des eigenen Ichs – verwoben mit Biografie, Selbstwahrnehmung, Emotionen und Körperlichkeit. Eine besondere Herausforderung für die Erfahrung von Identität stellen psychische Krisen dar. Darum geht es in der Ausstellung „Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche“.
Sie zeigt ausgewählte Werke der Sammlung Prinzhorn, die Menschen mit Psychiatrieerfahrung zwischen 1895 und 2024 geschaffen haben. Menschen mit der Diagnose „Schizophrenie“ fällt es oft schwer, ein stabiles, kontinuierliches Selbstbild zu bewahren. Sie erleben einen Verlust der Identität, eine „Ich-Entfremdung“, weil sie ihre eigenen Gefühle, Gedanken oder Handlungen als fremd oder von außen gesteuert empfinden.
mehr Infos zur Ausstellung finden Sie auf der Webseite der Sammlung Prinzhorn
kommende Filme und Termine der Reihe:
VERGISS MEIN NICHT
Sondervorstellung am Dienstag, 10.02., 19:00 Uhr, Gloria
Einführung von Kuratorin Dr. Ingrid von Beyme
USA 2004 | Regie: Michel Gondry | 104 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Jim Carrey, Kate Winslet, Kirsten Dunst, Elijah Wood, Tom Wilkinson, Mark Ruffalo
Was bleibt von unserem Selbst, wenn die Erinnerung zur Option wird? Als sich seine Exfreundin Clementine (Kate Winslet) nach einer schmerzhaften Trennung von Joel (Jim Carrey) durch einen experimentellen medizinischen Eingriff jegliche Erinnerung an ihre Beziehung aus dem Gedächtnis löschen lässt, unterzieht sich Joel demselben Verfahren. Als er dabei zusieht, wie die Erinnerungen an Clementine verschwinden, bemerkt er seine noch vorhandenen Gefühle für sie. Um seinen Fehler zu korrigieren, ist es jedoch beinahe zu spät.
Michel Gondrys Film entfaltet eine poetische Erzählung über Liebe, Scham, Verletzung und Selbstschutz – und über die Frage, ob das „Ich“ ohne seine Bruchstellen überhaupt denkbar ist.
ORDNUNG
Sondervorstellung am Mittwoch, 11.03., 19:00 Uhr, Gloria
Einführung von Museumsdirektor PD Dr. Thomas Röske
D 1980 | Regie: Sohrab Shahid Saless | 98 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Heinz Lieven, Dorothea Moritz
Jeden Sonntag wiederholt der arbeitslose Ingenieur Herbert Sladkowski (Heinz Lieven) sein Ritual: Er stellt sich auf die Straße und ruft laut „AUFSTEHEN!“ – ganz zum Ärgernis seiner Nachbarn, besonders jedoch seiner Frau Maria (Dorothea Moritz), die sich nichts sehnlicher als einen „normalen“ Ehemann wünscht. Weil er sich den sozialen Konventionen der bundesrepublikanischen Normalität der 1980er-Jahre entzieht, überredet ihn seine Frau zu einem Aufenthalt in einer Nervenklinik. Von dort aus soll er sich später als Geheilter wieder in die Gesellschaft integrieren.
Sohrab Shahid Saless‘ dramatischer Schwarzweißfilm ist eine scharfzüngige Untersuchung gesellschaftlicher Verhältnisse und der Frage danach, wie sehr sich das „Ich“ durch immergleiche Handlungen in einem sozialen System formt, und wie es sich im Vollzug dieser Ordnung manchmal auflöst. Wie viel „Ich“ bleibt, wenn die Welt nur noch ritualisierte Funktionen kennt?
ANGST ESSEN SEELE AUF
Sondervorstellung am Donnerstag, 26.03., 19:00 Uhr, Gloria
im Rahmen der Aktionswochen gegen Rassismus
Einführung von Sarah Debatin, Archivarin des Museums
D 1974 | Regie: Rainer Werner Fassbinder | 93 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Brigitte Mira, El Hedi ben Salem, Barbara Valentin, Irm Hermann, Rainer Werner Fassbinder, Elma Karlowa, Doris Mattes, Lilo Eder, Walter Sedlmeyer, Marquardt Bohm, Peter Gauhe, Margit Symo, Helga Ballhaus u a.
Entgegen jeder Erwartung verlieben sich Emmi, eine ältere deutsche Putzfrau, und Ali, ein jüngerer marokkanischer Gastarbeiter, ziehen zusammen und heiraten schließlich. Was als privates Glück beginnt, ist für die Außenwelt ein Skandal: Blicke, Gerüchte und das Tuscheln der Nachbarn bestimmen den Alltag; Emmis Kinder schämen sich, und in einem „Kolonialwarenladen“ wird sie des Geschäfts verwiesen. Als der äußere Druck der Gesellschaft nachlässt, werden die inneren Konflikte des Paares deutlich …
Mit „Angst essen Seele auf“ hat Rainer Werner Fassbinder nicht nur ein geflügeltes Bonmot geschaffen, sondern ein eindringliches Zeugnis der Migrationsdebatte der Bundesrepublik in den 1970er-Jahren vorgelegt. Den veralteten, rigiden gesellschaftlichen Normen stellt er ein individuelles Glück entgegen, das daran jedoch zu scheitern droht.
EINE LEICHE ZUM DESSERT
Sondervorstellung am Mittwoch, 15.04., 19:00 Uhr, Gloria
Einführung von Torsten Kappenberg
USA 1976 | Regie: Robert Moore | 95 Min. | FSK 12
Darsteller*innen: Truman Capote, Eileen Brennan, James Coco, u.v.a.
Ein einsames Herrenhaus, ein opulentes Dinner und ein Mord, der noch gar nicht passiert ist. Die fünf begabtesten Detektive der Welt finden sich auf Einladung von Lionel Twain (Truman Capote) auf dessen Anwesen ein. Dort werden sie aber lediglich von einem blinden Butler und einer taubstummen Köchin erwartet. Von Twain fehlt zunächst jede Spur – bis er plötzlich am Esstisch auftaucht und seinen verdutzten Gästen den Grund der Einladung verrät: Um Punkt Mitternacht wird ein Mord geschehen, und derjenige, der dieses Verbrechen löst, soll eine Million Dollar kassieren.
Wie konstruieren wir unsere Identität, wenn wir dem Blick anderer ausgesetzt sind? „Eine Leiche zum Dessert“ ist mehr als eine Parodie auf den klassischen Whodunit. Der Film zeigt, wie sehr vermeintliche Wahrheit davon abhängt, wie wir uns selbst inszenieren und wie das „Ich“ zur Funktion in einem Spiel der Zuschreibungen wird.