Kunst und Populärkultur im Film
Vortrags- und Filmreihe in Kooperation mit dem Institut für Europäische Kunstgeschichte und dem Romanischen Seminar der Universität Heidelberg im Sommersemester 2026
Die Veranstaltungen finden jeweils mittwochs um 19:30 Uhr im Gloria-Kino statt.
Tickets: 11 € regulär, 9 € ermäßigt, 8 € für Studierende (ggf. Überlängenzuschlag)
Konzeption und Organisation: Henry Keazor, Alexandra Vinzenz und Daniel Winkler
kommende Filme und Termine der Reihe:
SIE NANNTEN IHN JEEG ROBOT (ital. OmU)
Termin: 06.05.2026, 19:30 Uhr
Moderation: Henry Keazor
I 2015 | Regie: Gabriele Mainetti | 118 Min. | FSK 16
Ein römischer Taschendieb erhält durch den Kontakt mit Atommüll übermenschliche Kräfte, die er eigennützig einsetzt. Erst als er unerwartet zum Beschützer einer geistig zurückgebliebenen Frau wird, findet er seine wahre Bestimmung und nimmt den Kampf mit einem größenwahnsinnigen Mafioso auf. Einfallsreiche, erfrischend schwarzhumorige Superhelden-Komödie, die sich stilsicher durch einen wilden Mix an Stilarten bewegt… (filmdienst)
„Schräge Typen, irre Stunts, ein blutiger Mafiakrieg, Gesangseinlagen und Fantasyelemente – wie tollkühn der Italiener Gabriele Mainetti seinen SIE NANNTEN IHN JEEG ROBOT inszeniert, wird sicher viele Zuschauer umhauen“ TV SPIELFILM
TRANSIT
Termin: 10.06.2026, 19:30 Uhr
Moderation: Daniel Winkler
D/F 2018 | Regie: Christian Petzold | 102 Min. | FSK 12
Die deutschen Truppen stehen vor Paris. Georg entkommt im letzten Moment nach Marseille. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern das Leben genommen hat […] Georg nimmt Weidels Identität an und erhält ein mexikanisches Visum. Als er Weidels Frau Marie begegnet, verliebt er sich sofort in sie. Doch wie kann er ihr die Wahrheit gestehen? Und wie mit der Lüge leben? In seinem, auf dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers beruhenden Film transferiert Christian Petzold die Geschichte der deutschen Besatzung des Zweiten Weltkriegs ins Hier und Jetzt des heutigen Marseille, was den Zuschauer im ersten Moment befremden mag, den Film aber zusehends öffnet und der Geschichte etwas Allgemeingültiges verleiht. (Deutsche Film- und Medienbewertung: Prädikat besonders wertvoll)
FRIDA
Termin: 01.07.2026, 19:30 Uhr
Moderation: Alexandra Vinzenz
USA/CAN/MEX 2002 | Regie: Julie Taymor | 123 Min. | FSK 12
2 Oscars 2003
So authentisch und dynamisch wie dieser Film startet, sich entwickelt und schließlich grandios finalisiert, rückt seine ursprüngliche Mission als Biographie der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo (1907-1954) auf angenehme Art in den Hintergrund, so dass zuvorderst seine starke, packende und bewegende Geschichte floriert, jenseits des freizügigen Verzichts auf eine historisch präzise Dokumentation. Diese außergewöhnliche, beachtliche Qualität von Julie Taymors „Frida“ innerhalb der üppigen Biopic-Landschaft lässt ein ganz zauberhaftes, ungeheuer dichtes und bis ins Detail liebevoll gestaltetes Drama entstehen, in dem Hauptdarstellerin Salma Hayek mit ihrem explosiven Spiel mehr als nur ein Korsett konventioneller Schauspielkunst sprengt. (Marie Anderson – Kino-Zeit)
AMADEUS
Termin: 08.07.2026, 19:30 Uhr
Moderation: NN
GB/I/D 1984 | Regie: Miloš Forman | 123 Min. | FSK 12
Acht Oscars und der Zeitgeist, sakral Verklärte auf die Erde zurückzuholen, halfen dem passionierten Satiriker Forman bei der Popularisierung eines entmystifizierten Mozartbildes. Das Leben des genialen Komponisten, erzählt aus der Sicht des ewigen Rivalen Antonio Salieri, der, inzwischen von Schuldgefühlen gepeinigt, in einem Irrenhaus gelandet ist. Er sieht Mozart als großes Baby, das jedoch – anders als er selbst – geniale Musik schreibt und so seiner eigenen Karriere gefährlich wird … Forman bricht in diesem von Kritikern als »magisches« Werk gelobten, in Sachen Rhythmus und Tempo perfekt aufeinander abgestimmten Augen- und Ohrenschmaus mit den Traditionen klassischer Biopics und zeigt Mozart als Superstar, was einen seiner Zeitgenossen wiederum inspirierte: Rock me, Amadeus! (Florian Widegger)
Die neue Vortrags- und Filmreihe „Kunst und Populärkultur im Film“ ist Teil des Auftakts zum neuen interdisziplinären Master-Studiengang POPULÄRKULTUR, der ab Sommer 2026 an der Universität Heidelberg studiert werden kann und wird vom Sonderforschungsbereich 1671 „Heimat(en)” unterstützt.
Seit Anbeginn des Films werden Figuren, Motive und Stoffe der Kunst und Literatur im Kino aufgegriffen, dort auf zuweilen innovative Weise miteinander kombiniert und so mit neuen Bedeutungen versehen bzw. popularisiert. Die im Rahmen der Filmreihe „Kunst und Populärkultur im Film“ gezeigten Werke geben einen Einblick in das dabei mögliche Spektrum an Filmgenres und filmischen Transformationen.
Gabriele Mainettis italienischer SciFi-Film „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ von 2025 eröffnet die Reihe mit einer ungewöhnlichen Interpretation des Superheldenmythos. Die durch Comic, Fernsehen und Film vermittelte internationale Pop(ulär)kultur wird hier zur Vergegenwärtigung gesellschaftlicher Sehnsüchte wie Abgründe genutzt, während der Film zugleich die Frage stellt, was einen Helden in der heutigen Zeit ausmacht.
Christian Petzolds Film „Transit“ von 2018 verschmilzt die 1940er Jahre der Romanvorlage von Anna Seghers mit dem gegenwärtigen Marseille. Entstanden ist damit eine transhistorische Reflexionsebene, die universelle Fluchterfahrungen in den Diskurs der Populärkultur einschreibt, indem eine kritische Metaebene zur medialen Repräsentation von Migration und Exil in der zeitgenössischen Bildkultur etabliert wird.
Mit Julie Taymors transkontinentalem Biopic „Frida“ von 2002 folgt die Interpretation einer der ikonischsten und populärsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts. Indem Frida Kahlos Werke dabei mit ihrer Biografie verknüpft und als erzählerisches Mittel eingesetzt werden, um das Innenleben der Künstlerin zu visualisieren, verbindet der Film über eindrucksvolle Bilder Aspekte der Realität mit solchen der Surrealität.
Miloš Formans amerikanisches Filmdrama „Amadeus“ von 1984 führt indes in die musikalische Sphäre und erzählt in Form der Adaption einer Theatervorlage mit dem Leben Mozarts von einem der populärsten aller Komponisten. Klassische Musik wird hier als die Pop(ulär)kultur ihrer Zeit aufgefasst und der Film zeigt zugleich, wie künstlerische Inspiration, Rivalität und gesellschaftliche Konflikte einander bedingen können.
Anhand der gezeigten Werke wird deutlich, wie im Film künstlerische Bildsprachen, Themen und avantgardistische Techniken mit massenwirksamen Formen, Symbolen und Erzählweisen verknüpft werden können. Zugleich prägt der Film als Medium selbst die Populärkultur, indem er deren Ikonen bestätigt, neue schafft und künstlerische Ideen einem breiten Publikum über nationalsprachliche Grenzen hinweg zugänglich macht.
Populärkultur selbst kann dabei regionale oder nationale Identität widerspiegeln. Unter diesem Aspekt lassen sich auch die einzelnen Themen und Motive der Filme verstehen, die auf je verschiedene Weise von Zugehörigkeit und Verortung handeln: „Transit“ erzählt explizit von Fluchterfahrungen und Verlust der Heimat. „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ hingegen ist ein Versuch, das Genre des Superheldenfilms im Kontext populärer italienischer wie globaler Formate zu verankern. Selbst Kunst- oder Musik-Ikonen wie „Frida“ oder Wolfgang Amadeus Mozart sind hier als prägnante Beispiele für Spannungsfelder zwischen Nationalem und Globalem zu betrachten.