Gloria & Gloriette - Die Kamera










Der Staat gegen Fritz Bauer





Psychoanalyse & Film

Von der Macht der Verdr├Ąngung im Nachkriegsdeutschland

vorgestellt von E. Tilch-Bauschke und H. J. Bauschke

Deutschland, 2015
Regie: Lars Kraume
Drehbuch: Lars Kraume, Olivier Guez
Darsteller: Burghart Klau├čner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg, J├Ârg Sch├╝ttauf, Lilith Stangenberg, Laura Tonke u.a.

Mit 9 Nominierungen gilt das packende Drama als diesj├Ąhriger Lola-Favorit!

Gilde-Preis der deutschen Filmkunst-Programmkinos: Bester deutscher Film 2015!
Publikumspreis Filmfestspiele Locarno 2015!

Fesselndes Portr├Ąt des mutigen Mannes, der Adolf Eichmann aufsp├╝rte und die Verbrecher von Auschwitz vor Gericht brachte. Am Anfang steht eine Original-Aufnahme von Fritz Bauer, der glaubt, junge Menschen in Deutschland seien bereit, die ganze Wahrheit zu erfahren. Die Wahrheit ├╝ber das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, die Nazi-Zeit und ihren Terror. Aber in den 1950er Jahren wollen die meisten Bundesb├╝rger moderne K├╝chen und neue K├╝hlschr├Ąnke. Da steht der hessische Generalstaatsanwalt allein mit seinem Ziel, die Nazi-T├Ąter vor Gericht zu bringen. In Ministerien, BKA und Justiz versucht man, die einstige braune Brut zu protegieren, in seiner eigenen Beh├Ârde werden Intrigen gegen ihn gesponnen, Ermittlungen lasch gef├╝hrt, verschwinden Akten. Nach einer Fernsehsendung erh├Ąlt er gar Morddrohungen. Aber Bauer gibt nicht auf, es gelingt ihm sogar, Adolf Eichmann in Argentinien aufzusp├╝ren, durch die Zusammenarbeit mit dem Mossad (gilt als "Landesverrat") wird der "Buchhalter des Todes" nach Israel entf├╝hrt und dort zum Tode verurteilt. An Bauers Seite k├Ąmpft der engagierte junge Staatsanwalt Karl Angermann. Im Gegensatz zu Giulio Ricciarellis "Im Labyrinth des Schweigens" steht bei Lars Kraumes bis zur letzten Sekunden politisch und emotional spannendem Drama, das sich auf die Jagd nach Eichmann fokussiert, nicht der junge Mann im Mittelpunkt, sondern der kompromisslose zornige alte Mann, der den Finger auf die Wunde legt. Bauer wird hier als Humanist geschildert und nicht als Rachegott, er ist eine gebrochene Figur und ein einsamer Held. Es ist auch die Erl├Âsungsgeschichte eines Mannes, der als j├╝discher Sozialdemokrat nach dem Exil ins Land der T├Ąter zur├╝ck kehrt und erhobenen Hauptes sich nicht noch einmal dem├╝tigen lassen will. Nicht nur Personenzeichnungen und Sprachduktus stimmen, auch das Ambiente und die Ausstattung - wie Kettenrauchen, Cognac im B├╝ro, die adrette Vorzimmerdame oder die von Le Corbusier gestaltete ber├╝hmte Schwarz-Wei├č-Tapete sowie eine Uralt Propeller-Maschine. Der gr├Â├čte Trumpf dieses intensiven Zeitbildes ist die bis in die kleinste Nebenrolle optimale Besetzung. Die Performance - von Burghart Klau├čner als typisch deutscher Intellektueller, der als Holocaust-├ťberlebender seine Bestimmung im Kampf gegen Verdr├Ąngen und Vergessen findet, und von Ronald Zehrfeld als junger Staatsanwalt mit Seitenscheitel und einer neuen K├Ârperlichkeit - ist im deutschen Film einzigartig. mk.
Q: kino.de


     

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