Gloria & Gloriette - Die Kamera










Woman in Gold (Die Frau in Gold) - engl. OmU





Schweiz 2015
Großbritannien/ USA 2014
Regie: Simon Curtis
Darsteller: Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Br√ľhl, Tatjana Maslany, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Antje Traue, Francis Fisher, Justus von Dohn√°nyi, Tom Schilling, Moritz Bleibtreu
Drehbuch: Alexi Kay Campbel

‚ÄěGlauben Sie wirklich, √Ėsterreich wird dieses Bild herausr√ľcken, damit es √ľber dem Sofa einer alten Dame h√§ngt?‚Äú Randys Kanzleichef (Charles Dance) sch√ľttelt nur den Kopf √ľber so viel Naivit√§t. Aber der junge Anwalt Randy Schoenburg (Ryan Reynolds) bleibt stur. L√§ngst hat der Enkel des ber√ľhmten Komponisten Arnold Sch√∂nberg Feuer gefangen. Die spektakul√§re Geschichte von Maria Altmann (Helen Mirren) hat es ihm, nach anf√§nglichem Z√∂gern, angetan. Auch wenn es aussichtslos erscheint, versteht er ihren Kampf um Gerechtigkeit und eines der legend√§rsten Gem√§lde der Welt ‚Äď Gustav Klimts ‚ÄěDie goldene Adele‚Äú, dem von NS-Schergen erbeuteten Portrait ihrer Tante Adele Bloch-Bauer.
‚ÄěDie Menschen sehen nur ein Meisterwerk eines der gr√∂√üten K√ľnstler √Ėsterreichs‚Äú, erz√§hlt ihm die Holocaust-√úberlebende, ‚Äěaber ich sehe ein Bild meiner Tante, einer Frau, die mit mir √ľber das Leben sprach‚Äú. Diese Erinnerungen sind nach den Gr√§ueln des NS-Terrors, dem fast alle Mitglieder ihrer j√ľdischen Familie zum Opfer fielen, schmerzhaft. Deshalb weigert sich die Emigrantin zun√§chst, zusammen mit dem unerfahrenen, aber eifrigen Juristen nach Wien, in ihre ehemals geliebte Heimatstadt, zu reisen. Das wunderbare Diamantcollier, das ihre fr√ľh verstorbene Tante auf dem Gem√§lde trug, war einst ihr Hochzeitsgeschenk. Skrupellos gepl√ľndert trug Hermann G√∂rings Frau Emmy das Geschmeide auf dekadenten NS-Festen.
Doch nur in der Donaumetropole, wo das legend√§re Gem√§lde die Galerie im Schloss Belvedere ziert, k√∂nnen sie hoffen, weitere Spuren zu finden, um ihren Rechtsstreit voranzutreiben. Freilich zeigt sich die √∂sterreichische Regierung wenig kooperativ. Lediglich Hubertus Czernin (Daniel Br√ľhl), ein aufrechter Verleger, steht ihnen als Verb√ľndeter zur Seite. Gleichzeitig √ľberw√§ltigen die resolute 80j√§hrige die Schatten der Vergangenheit. Eine Odyssee beginnt, die sich √ľber Jahre hinzieht und das ungleiche Duo bis vor den Obersten Gerichtshof in Amerika f√ľhrt.
Vor allem in den eindringlichen R√ľckblenden aus Maria Altmanns Kindheit am Ende des Fin de Si√®cle, der bejubelten NS-Macht√ľbernahme bis hin zu ihrer dramatischen Flucht, zeigt Simon Curtis (‚ÄěMy week with Marylin‚Äú) klassisch exzellentes Erz√§hlkino hochemotionale Momente. Sein erhellendes Justizdrama bewahrt vor Vergessen und Verdr√§ngen. Dass √Ėsterreichs Zweite Republik darin eine unr√ľhmliche Rolle spielt und Ewiggestrige sich am liebsten heute noch als Opfer stilisieren, kann dem Film nicht angelastet werden. Denn dabei handelt es sich leider nicht um √ľberzeichnete Klischees, sondern um besch√§mende Realit√§t.
Schlie√ülich profitierten von der Arisierungspolitik der Nazis auch die gro√üen Museen in Wien. Bis zuletzt str√§ubten sich die offiziellen Stellen gegen die Herausgabe der nationalen Heiligt√ľmer, die seit 1938 in der Wiener Galerie hingen. Ohne die akribische Recherche des √∂sterreichischen Verlegers Hubertus Czernin, der die NS-Vergangenheit des ehemaligen √∂sterreichischen Pr√§sidenten Waldheim aufdeckte, w√§re der Kunstthriller jedoch nicht m√∂glich gewesen. Er brachte die unterbliebene Restitution von Nazi-Raubgut ins Rollen. Maria Altmann selbst erlebt ihre filmische Hommage leider nicht mehr. 2011 starb sie im Alter von 94 Jahren in Beverly Hills.
Schauspiellegende Helen Mirren beherrscht in ihrer mehr als 40-j√§hrigen Karriere den Spagat zwischen gro√üen historischen Frauenfiguren und modernen Grenzg√§ngerinnen. Die energiegeladene Endsechzigerin, die mit 19 Jahren die j√ľngste je in die ehrw√ľrdige ‚ÄěRoyal Shakespeare Company‚Äú aufgenommene Schauspielerin war, brillierte in aufw√§ndigen Kost√ľmen in Shakespeare-Rollen, aber auch ohne feine Stoffe in Nigel Coles ‚ÄěKalender Girls‚Äú. Den gr√∂√üten Triumph freilich feierte die Britin aus einer wei√ürussischen Aristokratenfamilie als Verk√∂rperung Queen Elizabeth II. in Stephen Frears Biopic √ľber die Monarchin. Als Meisterin der Nuancen, der sparsamen Gesten, arbeitet die englische Charakterdarstellerin auch dieses Mal ihre Figur kristallklar heraus.


     

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