Gloria & Gloriette - Die Kamera










Victoria





Deutschland 2014
Regie: Sebastian Schipper
Buch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Schulz
Kamera: Sturla Brandth Grovlen
Darsteller: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André M. Hennicke, Anna Lena Klenke

Intensive Reise ans Ende einer Berliner Nacht, in der ein spanisches Mädchen sich verliebt und das Abenteuer seines Lebens erlebt.

Lange vor den Dreharbeiten stellte sich für Sebastian Schipper die Frage, ob ein solches Filmvorhaben überhaupt zu realisieren wäre.
Also hat er sich seine Schauspieler eingeladen und es einfach ausprobiert!
Hier der "Kameratest" von Victoria

Die Reise ans Ende der Nacht liegt Sebastian Schipper im Blut. Schon in seinen beiden ersten Filmen, "Absolute Giganten" und "Ein Freund von mir", ergründete der Wahlberliner das enge Band von Männerfreundschaften in nächtlichen Extremsituationen. Sein Film Nummer vier schlägt in dieselbe Kerbe, erzählt wieder von einer Jungsclique, von einer Extremsituation, von den Stunden, in denen das undurchdringliche Schwarz der Nacht den ersten Sonnenstrahlen weicht. Und doch ist "Victoria" ganz anders. Nicht zuletzt, weil "Victoria" erstmals in Schippers Werk eine Heldin im Mittelpunkt hat, vor allem aber, weil es sich um einen wirklich unerhörten 140-minütigen Husarenritt handelt: ein Film ohne einzigen Schnitt, eine Geschichte in Realzeit, die nicht nur ihrer Titelfigur, einem spanischen Mädchen, das unvermittelt ins Abenteuer ihres Lebens geschleudert wird, und dem Schmelztiegel Berlin huldigt, sondern eben auch dem Kino selbst. Die nicht nur vermeintlich ganz echte junge Menschen zeigt, wie sie sich in der deutschen Hauptstadt so durchschlagen und angetrieben werden von dem Versprechen, dass dies die Stadt ist, in der es gerade passiert, und doch auch schon realisiert haben, dass die richtige Party längst andere feiern. Sondern die über diese jungen Menschen, die sich vor einem Club kennenlernen und gemeinsam weiterziehen und sich vielleicht ineinander lieben, nach etwa einer Stunde unerwartet ein Genrekonstrukt stülpt, den Zuschauer live in einen Bankraub verwickelt und aus den beiden Liebenden aus der Außenseiterbande Bonnie & Clyde werden und dann die Sonne aufgehen lässt. Was für ein wilder Ritt!
Klar, Schippers Film ist vielleicht ein bisschen zu lang. Und vielleicht ist er auch eine Zumutung - er mutet einem was zu. Aber er hat einen Puls, er hat eine Energie, er hat den wilden Schlag des Herzens, den das Kino braucht. Da schwingt nicht nur in der erzählerischen und formalen Radikalität ganz viel Nouvelle Vague mit - hatte Godard in "Atemlos" oder "die Außenseiterbande" nicht zuletzt auch einfach amerikanische Genrekino mit der eigenen Lebensrealität vermengt? Schipper lebt, träumt, atmet Kino. Er löst das Versprechen ein, einen zwei Stunden buchstäblich mitzunehmen, mit Bildern, wie man sie nicht jeden Tag sieht - und nicht mit konventionellen Kompositionen, Bravheit und Betulichkeit. Schipper tollschockt sein Publikum und erinnert daran, vom ersten Zucken der Stroboskopblitze in einem Kellerclub, in dem sich Victoria die Seele aus dem Leib tanzt, bis zum Aufblenden der Sonne, wenn sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, und einer zarten Liebe und einem verrückten Bankraub und einer verzweifelten Schießerei dazwischen, wie irre es ist, wenn im Kinosaal zwei Stunden lange Gas gegeben wird. Seine Schauspieler, allen voran die Entdeckung Laia Costa und Berlin-Darsteller de jour, Frederick Lau, sind bedingungslos mit dabei, immer angetrieben vom eigentlichen Star des Films, Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der nicht eine Sekunde die Deckung sinken lässt. ts.
Kino.de


     

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