Gloria & Gloriette - Die Kamera










Hedi Schneider steckt fest





Deutschland 2015
Buch und Regie: Sonja Heiss
Darsteller: Laura Tonke, Hans Löw, Leander Nitsche, Melanie Straub, Simon Schwarz, Margarita Broich
Kamera: Nikolai von Graevenitz

Hedi Schneider ist eine moderne, junge Frau mit allem, was man so zum Gl√ľcklichsein braucht: Sie hat einen liebevollen Ehemann, einen entz√ľckenden kleinen Sohn und einen nicht allzu anstrengenden Job. Doch eines Tages ist Schluss mit der Familienidylle, denn Hedi wird pl√∂tzlich von Angstzust√§nden geplagt, die sich nur mit Beruhigungsmitteln eind√§mmen lassen. Aus der fr√∂hlichen, aktiven Frau wird ein weitgehend passives Wesen, das sich krankheitsbedingt vor allem um sich selbst k√ľmmert. Das ist f√ľr Hedis Mann Uli und f√ľr ihren Sohn Finn nur schwer zu ertragen. Trotzdem versuchen sie einzeln und gemeinsam alles M√∂gliche, um Hedi zu helfen, ihren Optimismus und damit auch sich selbst wiederzufinden. Es dauert eine Weile, bis es Hedi besser geht. Doch als es so weit ist, hat sie Uli schon fast verloren.
Wie kann man aus so einem ernsthaften Stoff eine Kom√∂die machen? ‚Äď Als Zutaten ben√∂tigt man neben einer gro√üen Portion Courage vor allem Humor, nach M√∂glichkeit in einer situationsgerechten Auspr√§gung, so dass die Krawallkomik absolut ungeeignet w√§re. In diesem Fall ist Selbstironie das erste Mittel der Wahl, zus√§tzlich gew√ľrzt mit Dialogwitz und einer Prise Situationskomik. Dies zeigt sich an Hedis Umgang mit ihrer Krankheit ebenso wie an ihren Versuchen, sie wieder los zu werden. Dabei hilft ihr Uli, der mit seiner sensiblen, liebensw√ľrdigen Art beinahe wie ein gut ausgebildeter Psychologe zu Werke geht, allerdings mit dem Unterschied, dass er unter Hedis √Ąngsten und Stimmungsschwankungen am meisten leidet. Ihretwegen verzichtet er sogar auf seinen Traumjob. Dass er irgendwann an seine emotionalen Grenzen kommt, ist ebenso naheliegend wie verst√§ndlich. Hans L√∂w spielt den Uli als Musterbeispiel eines Partners, der praktisch alle idealen Eigenschaften eines Ehemannes und Vaters in sich vereint. Dies gelingt Hans L√∂w sehr authentisch dank einer sensiblen Ausstrahlung, die ihn in seiner engelsgleichen Geduld weder als √ľberf√ľrsorglich noch als Softie erscheinen lassen.
Laura Tonke bringt sowohl im Spiel als auch in ihrer √§u√üerlichen Erscheinung alles mit, was Hedi Schneider ausmacht. Da ist die Neigung zu alberner Kleidung, die ihr etwas Kindliches gibt ‚Äď vielleicht auch ein Symbol f√ľr den Wunsch, nicht erwachsen zu werden. Da ist aber auch die Lebensfreude, die sie ausstrahlt und die sie trotz ihrer Krankheit nie ganz verlieren wird, obwohl es manchmal so aussieht, als w√ľrde sie nun endg√ľltig ins Reich der Depression abgleiten. Wie Laura Tonke diese schwierige Rolle bew√§ltigt, ist einfach toll. Phasenweise d√§mmert Hedi nur noch vor sich hin, oder sie wankt, dank ihrer Tranquilizer, die sie in H√∂chstdosierung einnimmt, gl√ľckselig durch die Gegend. Die Hedi vom Anfang, diese liebenswerte, unbeschwerte, junge Frau wird nicht mehr zur√ľckkehren, und Laura Tonke spielt die Ver√§nderung mit sehr viel √úberzeugungskraft.
Sonja Heiss hat selbst einige Zeit unter einer Angstst√∂rung gelitten, daher kennt sie sich gut aus mit dem Krankheitsbild, und das wird beinahe √ľberdeutlich. Eines ihrer Anliegen ist wohl auch, zu zeigen, dass es keinen direkten Ausl√∂ser daf√ľr geben muss, dass es jeden treffen kann. So verwendet sie zu Beginn viel Zeit auf die mehr oder weniger allt√§glichen Katastrophen, die m√∂glicherweise dazu beitragen k√∂nnten, dass ausgerechnet die lebenslustige Hedi angstgesch√ľttelt zusammenklappt. Da gibt es unter anderem: eine tote Tante, das Rumgenerve und den Selbstmordversuch eines Kollegen sowie das titelgebende Feststecken im Fahrstuhl. Ein wenig mehr Vertrauen auf die Fantasie und den Verstand des Publikums w√§re hier w√ľnschenswert gewesen. Doch auch wenn das Drehbuch manchmal etwas unentschlossen zwischen Informationsvermittlung und Geschichtenerz√§hlen schwankt, auch wenn die Leichtigkeit gelegentlich etwas gezwungen wirkt, so sind es doch die gro√üartigen Darsteller und die angenehm nat√ľrlichen Dialoge, die den Film sehenswert machen ‚Äď als kleine Kom√∂die, die mutig mit Angst umgeht.


     

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GLORIA FTB GmbH, Heidelberg.
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