Gloria & Gloriette - Die Kamera










Titos Brille





Deutschland 2014 - Dokumentation
Regie: Regina Schilling
Buch: Regina Schilling, nach dem autobiographischen Buch von Adriana Altaras
Länge: 94 Minuten

Geboren in Zagreb, das 1960 noch Teil von Titos Jugoslawien war, mit drei zur Tante der Mutter nach Italien geschmuggelt, dann nach Gießen, wo die Eltern im Nachkriegsdeutschland Karriere machen, Besuch einer Waldorfschule und schließlich erfolgreiche Theater- und Filmschauspielerin in Berlin, wo sie mit Mann und zwei Kindern lebt. Das sind in aller Kürze die Lebensstationen von Adriana Altaras, doch wer der Mensch Adriana Altaras wirklich ist, deuten diese nackten Fakten nur an.
In ihrem 2011 erschienenen autobiographischen Buch „Titos Brille“ beschrieb Altaras, wie sie nach dem Tod ihrer Eltern ganze Kofferladungen voller Erinnerungsstücke erbt, die sie zum Anlass für eine Reise nimmt: Eine Reise in die Vergangenheit, zu Orten ihrer Kindheit und Jugend, aber auch zu den Geschichten, Mythen und Erzählungen ihrer Herkunft und der ihrer Eltern. Dieses Buch bildet die Vorlage für Regina Schillings Film, den man also als eine Art inszenierte Dokumentation bezeichnen könnte, bei der Altaras all die Menschen und Orte, die sie schon für ihr Buch besuchte, noch einmal aufsucht.
Dass "Titos Brille" dennoch so spontan und frisch wirkt, spricht nicht zuletzt für Adriana Altaras, die mit Verve und Enthusiasmus eine Art Reiseführerin in ihre eigene Vergangenheit gibt und dabei gleichermaßen ernsthaft wie selbstironisch erzählt. Zum Beispiel von der titelgebenden Geschichte um Totos Brille: Ihr Vater, der mit Tito bei den Partisanen kämpfte, war ein Held, wie Altaras immer wieder in einem Tonfall betont, der andeutet, dass sich vor allem ihr Vater selbst so sah. Irgendwann während des Zweiten Weltkriegs – so erzählte es der Vater – ist Titos Brille zerbrochen und wurde vom Vater repariert. Eine tolle Geschichte, die Altaras auch so lange für bare Münze nahm, bis ihr auf Fotos und Bildern auffiel, dass Tito zu diesem Zeitpunkt gar keine Brille trug.
Ob die Geschichte nun wahr, erfunden oder ausgeschmückt war, spielt letztlich keine Rolle, doch sie deutet an, worum es hier geht: Um die eigene Identität, die ebenso aus Erlebnissen und Erfahrungen entsteht, wie aus Mythen und Erzählungen.


     

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