Gloria & Gloriette - Die Kamera










The Cut





Deutschland, Frankreich, Polen, TĂŒrkei, Kanada, Russland, Italien 2014
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Mardik Martin
Darsteller: Tahar Rahim, Simon Abkarian, Makram Khoury
LĂ€nge: 138 Minuten

Mit „The Cut“ vollendet Fatih Akin seine „Liebe, Tod und Teufel“ Trilogie auf unerwartete Weise. Im Gegensatz zu „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“ ist das dritte Werk der Reihe in einem historischen Kontext angesiedelt und erzĂ€hlt eine epische Geschichte auf drei Kontinenten. Nazaret wird als Angehöriger der armenischen Minderheit in Mesopotamien wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs von seiner Familie getrennt und als Zwangsarbeiter in die WĂŒste verschleppt. Nur knapp kann er schließlich einer Hinrichtung entgehen, trĂ€gt jedoch eine schwere Verletzung der StimmbĂ€nder davon, die ihn fortan der FĂ€higkeit zu Sprechen beraubt. Die gefĂ€hrliche Suche nach seiner Frau und den beiden Töchtern fĂŒhrt ihn schließlich ĂŒber Cuba bis in die Vereinigten Staaten, und wo immer er hinkommt, trifft er nicht nur auf helfende HĂ€nde, sondern auch auf erhobene FĂ€uste.
Obwohl mit der Suche nach Nazarets Familie ein klares Ziel der Reise gegeben ist, wirkt die Dramaturgie eher episodisch. Der Held schleppt sich von einer Station zur nÀchsten und muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Ist ein Problem gelöst, tut sich schnell das nÀchste auf, das ihn wieder auf die nÀchste Reise schickt. Diese Aneinanderreihung von UnwÀgbarkeiten wirkt zunehmend konstruiert, als diene der Lauf der Dinge vornehmlich dazu, es dem Helden so schwer wie möglich zu machen.
Der im Titel der Trilogie angedeutete Teufel tritt hier nicht figĂŒrlich auf und doch ist er in den menschlichen AbgrĂŒnden der Geschichte omniprĂ€sent. Fatih Akin zeigt die BrutalitĂ€t des Völkermords an den Armeniern in aller Deutlichkeit. Vergewaltigungen, Massenhinrichtungen und ein Lager langsam verendender Frauen und Kinder mitten in der WĂŒste veranschaulichen die Unmenschlichkeit dieser historischen Epoche.
Das historische Setting, die epische Handlung und die handwerklich zwar einwandfreie, aber doch recht glatte visuelle Inszenierung schaffen eine große Distanz zwischen Publikum und Geschichte. Es fĂ€llt schwer, „The Cut“ mit seinem Regisseur und der „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie in Einklang zu bringen, die doch vor allem durch ihre Unmittelbarkeit bestochen hat. „The Cut“ ist ein epischer Abenteuerfilm, dessen historische BezĂŒge weniger RealitĂ€tsnĂ€he erschaffen als vielmehr moralisierend wirken.
Die traurigen Augen von Hauptdarsteller Tahar Rahim tragen zu dieser Wirkung erheblich bei. Hauptfigur Nazaret erscheint zu sehr als Opfer. WĂ€hrend er zunĂ€chst noch als Held auftritt, der sich fĂŒr die Rechte der Schwachen einsetzt, verliert er mit seiner Stimme auch seinen Mut, schließlich gar seine moralische IntegritĂ€t. Nazaret bleibt eine abstrakte Figur, ein Typus. Eine kleine Portion Kitsch und wegweisende Visionen, die den Zuschauer vorĂŒbergehend in eine ĂŒbernatĂŒrliche SphĂ€re entfĂŒhren, verwandeln die harte historische RealitĂ€t in ein MĂ€rchen.
„The Cut“ ist fĂŒr sein Thema und die „Liebe, Tod und Teufel“ Trilogie schlicht zu „schön“ anzusehen, zu makellos und zu vertrĂ€umt. Damit ist der Film aber einem breiteren Publikum zugĂ€nglich als seine VorgĂ€nger.


     

Zum Trailer
 


GLORIA FTB GmbH, Heidelberg.
Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen (auch Saaltausch) vorbehalten. 


[Impressum] [Datenschutz]