Gloria & Gloriette - Die Kamera










Das grosse Museum





Österreich 2014
Dokumentation
Regie: Johannes Holzhausen
LĂ€nge: 95 Minuten

Geht man durch ein Museum, sieht man in der Regel nur die Exponate, die in perfektem Licht prĂ€sentiert werden, dazu vielleicht noch den mehr oder weniger eindrucksvollen Museumsbau selbst. Versteckte Kameras, das auffĂ€llige aber doch zurĂŒckhaltende Wachpersonal deutet zwar an, dass es da noch eine andere Ebene gibt, doch diese bleibt in aller Regel verborgen.
Mit seiner Dokumentation „Das grosse Museum“ blickt der österreichische Dokumentarfilmregisseur Johannes Holzhausen nun hinter die Exponate, hinter die Kulissen und beschreibt auf faszinierende Weise, wie so eine Institution funktioniert. Mit seinem zurĂŒckhaltenden, neugierigen, aufmerksamen Blickt steht er ganz in der Tradition des großen amerikanischen Dokumentaristen Frederick Wiseman, der im Laufe der letzten Jahrzehnte von Schulen ĂŒber Irrenanstalten und MilitĂ€rbasen fast jede relevante Institution der amerikanischen Öffentlichkeit portrĂ€tiert hat und zufĂ€llig ebenfalls gerade einen Film ĂŒber ein Museum gedreht hat: „National Gallery.“. Ein interessantes Double-Feature wĂ€re dies gewiss, wobei sich Holzhausens Film dabei nicht verstecken muss.
Denn die grĂ¶ĂŸte QualitĂ€t von „Das grosse Museum“ ist das unterschwellige, pointierte Aufzeigen von bestimmten Fragen, ohne dabei eine dezidiert moralische oder ideologische Position zu beziehen. So lose der Film auch konstruiert ist, folgt er doch einer klaren Linie: Der Restaurierung und Wiedereröffnung der so genannten „Schatzkammer“, in der die kostbarsten StĂŒcke des Museums aufbewahrt werden. Diese Schatzkammer ist ganz besonders ein Überbleibsel der Habsburger Zeit, prĂ€sentiert Kronen und Zepter und hĂ€lt das Andenken auf lĂ€ngst vergangene royale Zeiten hoch. Eine nicht ganz unproblematische Haltung, gerade in einem demokratischen Land, das sich allerdings mit seiner Vergangenheit nicht immer konsequent auseinandersetzt.
Doch die Vermarktung der Schatzkammer, die Zurschaustellung funkelnder Juwelen und Ă€hnlichem verspricht hohe Einnahmen, und die sind fĂŒr eine so große und dementsprechend teure Institution wie das Kunsthistorische Museum Wien in Zeiten knapper öffentlicher Kassen lebensnotwendig. Immer wieder deutet Holzhausen den daraus resultierenden Konflikt an, verfolgt Versammlungen der Museumsleitung, in der ĂŒber Änderungen im Namen der Schatzkammer (zukĂŒnftig „Königliche Schatzkammer“) ebenso intensiv und ausfĂŒhrlich diskutiert wird wie ĂŒber die Art der Schrift auf Werbeplakaten.
Zudem kommen Restaurateure und Kuratoren zu Wort, Mitglieder des Wachpersonals und Archivare, zeigt Holzhausen die Mitarbeiter des Museums bei Auktionen, Verhandlungen ĂŒber Schenkungen, Besuchen von Leitern befreundeter Museen, bleibt dabei zwar stets auf Distanz, verrĂ€t aber doch seine Sympathien. Und findet vor allem immer wieder pointierte, ironische Bilder, die viel darĂŒber erzĂ€hlen, welch Pragmatismus notwendig ist, um die Institution Museum nach außen so perfekt und organisiert erscheinen zu lassen.


     

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GLORIA FTB GmbH, Heidelberg.
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