Gloria & Gloriette - Die Kamera










Zoran - mein Neffe der Idiot





Italien 2013
Regie: Matteo Oleotto
Drehbuch: Daniela Gambaro, Pier Paolo Piciarelli, Matteo Oleotto, Marco Pettenello
Darsteller: Giuseppe Battiston, Teco Celio, Rok Praŝnikar, Roberto Citran, Marjuta Slamiĉ
Originalmusik: Antonio Gramentieri mit Sacri Cuori
112 Minuten

In seinem mit Preisen geradezu überschütteten Kinodebüt gelingt Matteo Oleotto ein kleines Kunststück: Er zeigt in einfachen, ruhigen Bildern das Musterbeispiel eines negativen Helden und macht ihn von Minute zu Minute liebenswerter. Dieser Paolo ist ein echter Unsympath – ständig besoffen, schmierig und ungepflegt, ein notorischer Lügner und Zyniker, dazu fett, faul und gefräßig. Dass der Film als Komödie so gut funktioniert, liegt zum einen am Hauptdarsteller, Giuseppe Battiston, inzwischen schon italienisches Urgestein (u. a. BROT UND TULPEN, DER TIGER UND DER SCHNEE). Er spielt den Paolo als zunächst wenig aktiven Dorftrampel – ein Opfer der Umstände. Doch im Verlauf der Handlung packt Battiston immer mehr drauf. Sein Zynismus verstärkt sich angesichts eines unbekannten und ungeliebten Neffen, gleichzeitig aber wird aus dem bärigen Biest so etwas wie ein Mensch. Der verkommene Säufer hat plötzlich ein Ziel vor Augen und entwickelt sich. Das ist sowohl komisch als auch verständlich. Rok Praŝnikar hat als Zoran die undankbare Aufgabe, gegen Battistons darstellerische Urgewalt zu bestehen. Das gelingt ihm mit Respekt gebietender Disziplin und einem sehr feinen Humor. Er zeigt einen ängstlichen, schlaksigen Jungen, der immer mehr an Sicherheit gewinnt und schließlich beinahe erwachsener wirkt als sein Onkel.

Gelassen, beinahe bedächtig ist das Tempo dieses unspektakulären Films, der seine Komik aus eher sparsamen Dialogen und ganz kleinen Wendungen zieht – und aus einem liebevollen, leicht weinseligen Blick aufs wahre Leben.
Gaby Sikorski


     

 


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