Gloria & Gloriette - Die Kamera










Maman und ich





OT: Les garcons et Guillaume, à table!
Frankreich 2013
Regie, Buch: Guillaume Gallienne
Darsteller: Guillaume Gallienne, André Marcon, Francoise Fabian, Nanou Garcia, Diane Kruger, Reda Kateb, Götz Otto
Länge: 87 Minuten

In Deutschland ist Guillaume Gallienne kaum bekannt, in seiner französischen Heimat dagegen ein Schauspieler, dem die Ehre zuteil wurde, in die Comédie Francaise aufgenommen zu werden, und der in dutzenden Filmen mitwirkte, oft in homosexuellen Rollen. Dies zu wissen ist nicht ganz unwichtig für den Effekt, den Galliennes Regiedebüt „Maman und Ich“ haben kann. Basierend auf seinem selbstgeschriebenen Theaterstück, bzw. langen Monolog, das hier als Rahmen dient, erzählt Gallienne von sich, seinem Leben und vor allem seinem Verhältnis zu seiner Mutter.
Diese verehrte er wegen ihrer Eleganz so sehr, dass er schon in jungen Jahren begann den Wunsch der Mutter, nach zwei Söhnen endlich eine Tochter zu haben, auf ganz eigene Weise erfüllte: Indem er sich zunehmend feminin verhielt. Dass ging – so zumindest schildert es Gallienne in seinem Film, der zwar autobiographisch ist, doch wie sehr bleibt natürlich offen – zwar nicht so weit, dass er Frauenkleidung anzog, aber doch so weit, dass alle Welt ihn für schwul hielt.
Was Gallienne in seinem Film, der in losen Szenen sein Leben nachzeichnet, nun erzählt, ist der schwierige, langwierige Prozess seiner sexuellen Selbstfindung. Besonders der Vater beobachtet mit Entsetzen die zunehmenden weiblichen Attitüden, die Gallienne annimmt und versucht mit allen Mitteln, den Sohn zu einem Mann zu formen. Doch weder ein Austauschprogramm in Spanien (wo Gallienne vor allem Flamenco tanzt), noch ein Internatsaufenthalt in England (wo er sich trotz vieler skurriler Briten nicht wirklich heimisch fühlt) können helfen.
Mit viel Witz und Selbstironie erzählt Gallienne von diesen Erfahrungen, zögert auch nicht, sich über sich selbst lustig zu machen, auch wenn er dabei manches Mal auf sehr grobe Klischees zurückgreift: Gerade die Zeichnung einiger deutscher Mitarbeiter in einem Sanatorium – in kleinen Gastrollen gespielt von Diane Kruger und Götz Otto – sind wenig mehr als teutonische Berserker.
Doch gerade in den Szenen mit seiner Mutter kommt Galliennes ganze Qualität zum Tragen. Denn hinter Schichten von Make Up, langer Perücke und großer Brille kaum zu erkennen, verbirgt sich auch hinter der Mutter Gallienne selbst, der hier eine der überzeugendsten Transvestiedarbietungen der jüngeren Filmgeschichte abliefert. - Und damit zusätzlich den ödipalen Kern seiner sexuellen Verwirrung auf den Punkt bringt. Ganz subtil geht auch die Verwandlung von Gallienne auf der Bühne vonstatten, wo der Film beginnt und wohin er zwischen den Rückblenden immer wieder zurückkehrt: Wirkt Gallienne hier Anfangs noch ganz ohne Frage schwul, verwandelt er sich im Laufe des Films mittels kleiner Änderungen an Kostüm und Gestik zunehmend einen männlichen Eindruck. Ob Galliennes sexuelle Selbstfindung damit allerdings ein Ende hat oder sich besonders die französische Öffentlichkeit weiter den Kopf zerbrechen darf bleibt allerdings offen: Zumindest auf der Leinwand bleibt Gallienne auf schwule Charaktere abonniert, demnächst in einem biographischen Film über Yves Saint Laurent als langjähriger Lebensgefährte des Designers.
Michael Meyns


     

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