Gloria & Gloriette - Die Kamera










Spuren





Originaltitel: Tracks
Australien 2013
Regie: John Curran
Buch: Marion Nelson
Darsteller: Mia Wasikowska, Adam Driver, Rainer Bock, John Flaus, Rolley Mintuma, Robert Coleby
Länge: 112 Minuten

Alice Springs. Enttäuscht und verwirrt von ihrem Leben in der Großstadt, kommt Robyn Davidson (Mia Wasikowska) 1975 in das gottverlassene Nest in der geografischen Mitte Australiens. Sie hat einen Plan, aber keine Ahnung, wie sie ihn umsetzen soll. Die schmächtige junge Frau will allein durch die Wüste wandern, von Alice Springs bis zum Indischen Ozean, 2700 Kilometer weit. Dafür muss sie sich widerwillig Unterstützung suchen. Vor allem braucht sie Kamele, die ihre Ausrüstung transportieren. Zunächst arbeitet Robyn bei dem österreichischen Auswanderer und Kamelzüchter Posel (Rainer Bock), aber der Stinkstiefel hält sich nicht an die Abmachungen. Bei seinem Kollegen Mahomet (John Flaus) geht es ihr schließlich besser und sie bekommt die Tiere. Die nötige Finanzierung kommt von der Zeitschrift National Geographic, die ihren Fotografen Rick Smolan (Adam Driver) schickt. Als Robyn sich mit drei Kamelen und ihrem Hund auf den langen Marsch begibt, bleibt die erhoffte Einsamkeit zunächst verwehrt, denn Rick folgt ihr auf Schritt und Tritt.
Wüstenstaub, Hitze, röhrende Kamele und weit und breit kein Wasser in Sicht: Klassischerweise ist dieses Setting eine Männerdomäne. Toll an „Tracks“, so heißt der Film im Original, ist aber nicht unbedingt, dass hier nun eine Frau gleichzieht und den Männern zeigt, wozu sie fähig ist. Sondern, dass für Robyn Davis ganz andere Kategorien wichtig waren. Ihr Weg in die Wüste war tatsächlich angetrieben von Zivilisationsmüdigkeit, von den Traumata ihrer Kindheit – ihre Mutter beging Selbstmord, als sie 11 Jahre alt war –, von einer tiefen Verdrossenheit an ständig diskutierenden Menschen. Umso ironischer, und der Film arbeitet diese Ironie fein heraus, dass Davis ausgerechnet mit ihrer Flucht vor der Welt von eben dieser eingeholt wurde. Schon während ihrer Reise wurde sie von Fotografen- und Kamera-Teams begleitet, so dass der Wüstentrip stellenweise einem Versteckspiel glich.
Wirklich überzeugend aber wird der Film von Regisseur John Curran, indem er alle gesellschaftspolitischen Implikationen anklingen lässt, sie aber nie ins Zentrum seines Interesses stellt. „Spuren“ funktioniert vor allem als Porträt einer jungen Frau, die gleichzeitig zurückhaltend schüchtern und sehr willensstark ist. Mia Wasikowska ist für diese Rolle wie geschaffen. Seit ihrem denkwürdigen Auftritt in der TV-Serie „In Treatment“ hat sie sich beharrlich ein beachtliches Portfolio erarbeitet und gibt ihren Figuren immer wieder eine faszinierende Größe zwischen Stolz und Zerbrechlichkeit. In diesem Sinne ist ihre Interpretation der Robyn Davidson tatsächlich ein Update für die Gegenwart und Generationen, die sie bisher nicht kannten.
Dazu kommt eine Regie, die dem Geschehen eine Offenheit gibt, die es nicht für naheliegende Zwecke in Beschlag nimmt. So wird Robyns Reise nicht emblematisch abgehandelt, sondern ist eine ganz konkrete Einzelgeschichte. Wenn Robyn orientierungslos, zutiefst verzweifelt durch die Wüste irrt, bricht sich eine existenzialistische Schwere Bahn, die sich nicht an der übermächtigen Natur reibt, sondern an den Leerstellen und Verletzungen der Seele.


     

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