Gloria & Gloriette - Die Kamera










Le weekend





Großbritannien 2013
Regie: Roger Mitchell
Buch: Hanif Kureishi
Darsteller: Jim Broadbent, Lindsay Duncan, Jeff Goldblum
LĂ€nge: 93 Minuten

Seit 30 Jahren sind Nick (Jim Broadbent) und Meg (Lindsay Duncan) verheiratet. Sie sind nicht unglĂŒcklich, aber auch alles andere als locker. Die Frage der Unterbringung stellt die Reise nach Paris auf den Spuren ihrer Hochzeitsreise nicht gerade in ein gutes Licht. Nick hat das gleiche Hotel wie damals gebucht, das sich aber als ziemlich heruntergekommen entpuppt. Meg weigert sich standhaft, hier ein Zimmer zu beziehen. Ihr schwebt ein richtiges Luxushotel vor. Und tatsĂ€chlich lĂ€sst selbst Nick alle Vorsicht fahren und bucht eine Suite in einem Hotel, das ihr Budget deutlich sprengt. Damit ist die Routine gesprengt, und der Philosophie-Professor und die Lehrerin streiten, tanzen, singen sich durch Paris. Immer auf den Spuren der verlorenen Zeit, all der LebenslĂŒgen und EnttĂ€uschungen. Schließlich begegnen sie Morgan (Jeff Goldblum), einem erfolgreichen US-Autor, der frĂŒher mit Nick studierte. Er lĂ€dt sie zu einer folgenreichen Party in seinem Luxus-Appartement ein.
Selbst Menschen, die nicht wie die Protagonisten Ende FĂŒnfzig sind, fragen sich angesichts von „Le Weekend“, wo sie geblieben ist, die Zeit. Nicht etwa, weil der Film ĂŒbermĂ€ĂŸig wehmĂŒtig zurĂŒckblickte. Im Gegenteil, sein Ton ist sehr gegenwĂ€rtig. Und doch ist „Le Weekend“ eine Zeitreise, die bestĂ€ndig die Frage stellt: Wie sind wir nur hier gelandet? Seine Hauptfiguren waren Ende der Sechziger Jahre jung, als die Popkultur der Gegenwart mit all ihren verlorenen Idealen erfunden wurde. Sie waren damals liberal, offen, neugierig und hatten als vielleicht erste Generation ĂŒberhaupt das GefĂŒhl, ihr Leben selbst erfinden zu können. Heute haben sie einen Sohn, der stĂ€ndig am Telefon nervt, weil er kein Geld hat und mit seiner Familie wieder zuhause einziehen will. Der Film funktioniert also nicht nur als unterhaltsame Ehe-Komödie, er ist auch das PortrĂ€t einer Generation, die mehr zu verlieren hatte als die vor ihr.
Man spĂŒrt die Verbitterung ĂŒber die verlorenen TrĂ€ume. Aber sie Ă€ußert sich in herrlich bissigen und unterhaltsamen Seitenhieben. Auf eine selbstverliebte, unertrĂ€glich arrogante Jet-Set-Intelligenzia etwa. Nick raucht lieber einen Joint mit Morgans einsamem Sohn, als sich mit blasierten PartygĂ€sten zu langweilen. Doch noch zu einer Rede genötigt, zieht er ein hartes ResĂŒmee, dass in seiner Offenheit zutiefst anrĂŒhrt. Meg dagegen weiß nicht, ob sie es mit diesem Eigenbrödler ĂŒberhaupt noch lĂ€nger aushalten will. War sie nicht eigentlich sowieso gegen die Ehe? „Le Weekend“ ist eine Hommage an die Komödien der Nouvelle-Vague mit ihrem Anarchismus und ihrer frechen Leichtigkeit. Jim Broadbent ist mit seinem Knittergesicht wie gemacht fĂŒr diese Rolle, die ihn erneut kunstvoll Komik und Tragik ausloten lĂ€sst. Und Lindsay Duncan wirkt so schön und klug wie weiland Anna Karina in „Eine Frau ist eine Frau“. Oliver Kaever


     

Zum Trailer
 


GLORIA FTB GmbH, Heidelberg.
Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen (auch Saaltausch) vorbehalten. 


[Impressum] [Datenschutz]