Gloria & Gloriette - Die Kamera










Die Alpen - Unsere Berge von oben





Deutschland 2013
Regie: Peter Bardehle & Sebastian Lindemann
Länge: 94 Minuten
Wenn die Berge zu sehr gekitzelt werden, dann schütteln sie die Menschen ab“, heißt es metaphorisch drohend an einer Stelle im Film. Trotz Lawinengefahr, schmelzender Gletscher, dünner Höhenluft und tödlicher Felsspalten zieht es alljährlich aber trotzdem Tausende von Menschen in die Alpen. Die meisten kommen zum Skifahren, viele zum Wandern und einige Wenige erklimmen sogar die Bergspitzen des Matternhorns oder des Mont Blancs. Der Mythos des Bergsteigens und vor allem die Frage, was Menschen dort oben eigentlich suchen, nehmen die beiden Regisseure Peter Bardehle und Sebastian Lindemann als Steilvorlage für ihren Film, der dadurch etwas Metaphysisches bekommt, statt einfach nur als filmischer Rundflug über die Alpen zu glänzen.

Natürlich kommen die Highlights vor, die nicht fehlen dürfen, wenn man einen allumfassenden Film über die Alpen macht: Die Dolomiten in Südtirol, der Stausee im Verzascatal (der Dank des James-Bond-Films „GoldenEye“ weltberühmt ist), die Eiger-Nordwand, das Matterhorn, der Mont Blanc. Wie bereits in anderen „Von oben“-Filmen kommt auch hier die mittlerweile gängige Cineflex-Kamera zur Geltung, die am Helikopterbauch angebracht ist und unabhängig von Windböen, Rucklern oder Wacklern bedient werden kann. Vor allem die Zoom-Qualität sorgt für erstklassige, digitale Bilder, die in den Bergen auf wunderbare Details hinweisen kann, wie etwa Freeclimber, Freerider (todesmutige Ski-Alleskönner, die abseits der Pisten fahren) oder gar Seiltänzer, die zwischen zwei Felsen balancieren.

Doch statt die Alpen lediglich als Naturwunder zu glorifizieren, ist die Tonart des Films ein deutlich kritischerer. Man sieht fußballfeldgroße Kunststoffmatten auf dem Stubaier Gletscher in Österreich, die das Schmelzen der Eismassen verzögern soll. Der Stausee im Tessiner Verzascatal mag zwar Touristen locken, doch in Wahrheit lässt er Nebenflüsse austrocknen. Auch die Menschenmassen, die jeden Winter in Sölden einfallen, würden – wenn es nach dem Willen der Filmemacher ginge – hier nicht unbedingt mit Kusshand empfangen werden. Die dringliche Frage, was wohl mit den Menschen in den Bergen passiert, wenn die Touristen eines Tages nicht mehr kommen, weil kein Schnee mehr fällt, wird auch hier gestellt.


     

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