Gloria & Gloriette - Die Kamera










Ein freudiges Ereignis





Frankreich/Belgien 2011
Regie: Rémi Bezançon
Darstellende: Louise Bourgoin, Pio Marmaï, Josiane Balasko, Thierry Frémont, Gabrielle Lazure, uva.
Laufzeit: 107 Minuten

Dies ist keine typische Komödie von der Sorte: Setz dich rein und lach dich weg! Es gibt was zu kichern und viel zu schmunzeln, aber eher so wie bei einem Klassentreffen. Wenn einer von früher erzählt, worüber man erst jetzt lachen kann. Weil man inzwischen die Distanz hat zu dem, wovon man einmal dachte, es könnte einem das Herz brechen. Die Geschichte ist eher tragikomisch und herzerwärmend als hammerhart ulkig. Seinen gelegentlich auffunkelnden Witz bezieht der Film vor allem aus den absurden Situationen, in denen sich die werdenden Eltern wiederfinden.
Barbara und Nicolas haben es nicht leicht: Sie möchte eigentlich ihren Uni-Abschluss machen, und er würde am liebsten weiter mit seinen Kumpels rumziehen und nebenher ein bisschen in der Videothek jobben. Aber sie lieben sich, die beiden, und da fehlt zum großen Glück nur noch das Baby. Das ist schnell unterwegs und macht das Leben kompliziert. Immerhin schaffen sie es, gemeinsam in eine größere Wohnung zu ziehen, und auch sonst scheint es längere Zeit, als ob sie sich zusammenraufen und ihre Liebe im Alltag bestehen kann. Während Barbara von hormonellen Stimmungsschwankungen gebeutelt wird und aus ihrer Doktorarbeit einen Selbsterfahrungsbericht macht, sucht Nicolas einen neuen, seriösen Job. Aber so richtig ändert sich alles erst– das Leben, die Liebe und so weiter – als Baby Lea auf der Welt ist. Denn Barbara, die lange von Selbstzweifeln geplagt wurde, ob sie die Mutterschaft überhaupt bewältigen kann, mutiert zur Übermutter, in deren Leben gar kein Platz mehr ist für Nicolas. Und Nicolas? Der bleibt einfach der niedliche, kleine Junge, der er war.
Zwei frische Gesichter – Louise Bourgoin und Pio Marmaï – prägen diesen Film mit ihrem jugendlichen Charme und ihrer natürlichen Ausstrahlung. Sie spielen überzeugend die frischgebackenen Eltern, die zeitweise wirken, als wären sie gerade eben der Pubertät entsprungen, wenn überhaupt; jedenfalls sind sie zu jung zum Kinderkriegen. Sie wissen ja noch nicht mal, wer sie selber sind. Aber so läuft das mit der Liebe: Man geht miteinander ins Bett, alles ist schön, man kuschelt sich auf dem Motorrad aneinander, verbringt einen heißen Liebesurlaub, schon zieht man zusammen, weil ja immer noch alles so schön ist, und zack! wird sie schwanger. Und dann ist nichts mehr schön.
Interessanterweise ergreift der Film keine Partei für einen der Beteiligten: Barbaras Gluckenrolle wird liebevoll ironisch betrachtet, und Nicolas wirkt beinahe rührend in seiner jungväterlichen Unfähigkeit. Während Nicolas gern mal mit Lea auf dem Arm an der Playstation sitzt, verfällt Barbara einer sektiererischen Stillgruppe. Man spricht nicht mehr miteinander, und im Bett ist sowieso Flaute. Sie hatten nichts, was sie verbindet, außer Sex, so scheint es. Und nun haben sie gar nichts mehr gemeinsam, außer ihrem Baby. Beide wissen, dass es so nicht weitergeht, doch außer einem Wochenendausflug fällt Nicolas und Barbara wenig ein, womit sie ihre Beziehung kitten könnten. Eine Gebrauchsanweisung fürs Glück zu zweit hätten sie gern gehabt, die gab und gibt es aber nicht, ebenso wenig wie ein Rezept fürs Leben.
Die Geschichte hat Charme und das Ergebnis ist ein Film, der beinahe so realistisch ist wie die Wirklichkeit, vielleicht hier und da ein bisschen niedlicher, lustiger oder schrecklicher. Die Geburtsszene hätte kürzer sein können – hier wurde wirklich jedes Klischee bedient. Aber dafür gibt es auch ein paar sehr schöne neue Gags rund um den Kreißsaal, in deren Mittelpunkt eine sehr, sehr energische Hebamme und der junge Vater stehen. Was vom Film bleibt ist die Erkenntnis, dass Glück auch harte Arbeit bedeutet. Und das wiederum hat wohl wirklich was mit dem Erwachsenwerden zu tun. Q: Gaby Sikorski (für Programmkino.de)


     

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