Gloria & Gloriette - Die Kamera










CĂ€sar muss sterben






Italien 2012
Regie: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Darstellende: Salvatore Striano, Cosimo Rega, Giovanni Arcuri, uva.
Laufzeit: 77 Min.
ital. Orig.Fassung m.dt.Untertit.

HĂ€ftlinge proben fĂŒr die AuffĂŒhrung von Shakespeares "Julius Caesar". Dokudrama der italienischen Regielegenden Paolo und Vittorio Taviani, ausgezeichnet mit dem Goldenen BĂ€ren 2012.
Ein wenig ĂŒberraschend, aber zu recht haben die italienischen Regie-BrĂŒder Paolo und Vittorio Taviani ("Die Nacht von San Lorenzo"), inzwischen 80 bzw. 82 Jahre alt, fĂŒr "Cesare deve morire" (auf deutsch: "Caesar muss sterben") auf der 62. Berlinale den Goldenen BĂ€ren gewonnen. Echte Gefangene sind ihre "Helden", (Ex-)Insassen des römischen GefĂ€ngnisses Rebibbia, die sie vor Jahren Dantes "Göttliche Komödie" rezitieren hörten. GesĂ€nge aus dem "Inferno" trugen sie damals vor, die von der Hölle ihres eigenen Gefangenseins erzĂ€hlten.
Von dieser AuffĂŒhrung beeindruckt, sind sie in die Hochsicherheitseinrichtung zurĂŒckgekehrt und haben mit dem Theaterregisseur Fabio Cavalli, der als er selbst auftritt und vor Ort regelmĂ€ĂŸig öffentlich zugĂ€ngliche BĂŒhnenproduktionen inszeniert, den sechsmonatigen Entstehungsprozess des Shakespeare-Klassikers "Julius Caesar" filmisch festgehalten. Die Mörder und Mafiosi verschwinden hinter ihren Rollen, sprechen in ihrer Sprache, in ihren ureigenen Dialekten. Was sie im wahren Leben getan haben, zĂ€hlt hier nicht, sie tauchen in ihre Figuren ein, lernen von Freundschaft und Betrug, Macht und Gewalt. Die Arbeit ist weder abgefilmtes Theater noch Dokumentation ĂŒber den GefĂ€ngnisalltag, sondern eine eigenwillige Mischform, die Parallelen zwischen dem klassischen Drama und der Welt von heute aufzeigt. In Farbe setzt die "Handlung" ein, Applaus tost zur Premiere auf, ehe der Film in der Zeit zurĂŒckspringt und die Proben in umkopiertem Schwarzweiß zeigt.
An den "Neoverismo" eines Roberto Rossellini oder Luchino Visconti fĂŒhlt man sich erinnert, die Szenen entstehen nicht spontan, sondern folgen dem exakten Skript der Tavianis. Ihre Akteure sind im Wortsinn authentisch, Verschwörer Cassius wird vom "LebenslĂ€nglichen" Cosimo Rega gespielt, Mordbube Brutus von Salvatore Striano ("Gomorrha"), der fĂŒr seinen Part in die frĂŒhere Zelle zurĂŒckgekehrt ist. Sie beschreiben das Engagement aller Beteiligten - und wie deren Ängste und Hoffnungen in die Inszenierung einfließen. Einer von ihnen sagt: "Seit ich der Kunst begegnet bin, ist diese Zelle fĂŒr mich ein GefĂ€ngnis geworden." Die BĂŒhne hat ihm den Blick fĂŒr die eigene Biografie eröffnet. Shakespeares Ruf nach (römischer) "Freiheit!" ist hier anders konnotiert. Q: kino.de (geh)


     

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GLORIA FTB GmbH, Heidelberg.
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