Gloria & Gloriette - Die Kamera










Die Wand





Wiedereinsatz am 29.05.2013, 20:00 Uhr, im Rahmen unserer Reihe "Psychoanalyse und Film". Nach der Vorstellung: Filmanalyse zum Thema "Plötzlich allein in einer hermetisch abgeriegelten Welt" von E. Tilch-Bauchke

Verfilmung von Marlene Haushofers gleichnamigem Roman
Österreich / Deutschland 2012
Regie: Julian Pölsler
Darstellende: Martina Gedeck, Hans-Michael Rehberg, Karlheinz Hackl, Wolfgang M. Bauer, Julia Gschnitzer, Ulrike Beimpold, uva.
Laufzeit: 108 Minuten

Das Krächzen der Krähen durchbricht die klirrende Kälte, während im Inneren einer spartanischen Berghütte eine Frau (Martina Gedeck) ihre letzten Blätter in engen Zeilen vollschreibt. Ihre Fingernägel sind schmutzig von der vielen Arbeit. In ihrem Gesichtsausdruck spiegelt sich ihr Schicksal. Die Frau schreibt nicht aus Freude am Schreiben. Sie muss ihre Geschichte erzählen, um nicht den Verstand zu verlieren.
An einem trüben Novembertag erinnert sich die Frau an vergangene schöne Maitage. Mit dem befreundeten Ehepaar Luise und Hugo und dessen Hund Luchs fährt sie durch die beeindruckende Gebirgslandschaft Österreichs zu deren Hütte für einen Wochenendausflug. Das Ehepaar bricht am Abend auf, um noch einmal kurz ins Dorf zu gehen, weil die frische Luft gut tut. Vor der Dämmerung wollen sie wieder zurück sein. Die Frau und der Hund bleiben auf der rustikal-romantischen Holzveranda sitzen. In ihrer städtischen Kleidung wirkt die Frau verunsichert. Es ist nicht ihre Welt.
Das Ehepaar ist am nächsten Morgen noch nicht zurück. Die Frau überlegt, was passiert sein könnte. Nie wären ihre Freunde so rücksichtslos gewesen, sie über Nacht in der Hütte alleine zu lassen. Kurzerhand macht sie sich mit ihren Stadtschuhen und Luchs auf den steinigen Weg ins Tal. Plötzlich jault der Hund auf und geht nicht weiter. Die Frau stößt gegen eine unsichtbare Wand. Verwundert tastet sie in der Luft die unerklärliche Grenze ab, die sie vom Rest der Welt trennt. Der blaue Himmel und die Natur um sie herum sehen aus wie immer. Die Vögel zwitschern, als wäre nichts geschehen. Sie hört ein lautes Pochen, bis sie realisiert, dass es aus ihrem Inneren kommt. Ihr Herz hatte sich schon gefürchtet, noch bevor sie es wusste. Was ist geschehen? Irgendjemand muss doch längst Alarm geschlagen haben. Dass kein einziger Mensch zu sehen ist, kommt ihr noch rätselhafter vor als die Wand.
Es erscheint ihr ganz unmöglich zu überleben. Gleichzeitig weiß sie, dass sie leben muss und es für sie keinen Ausweg gibt. Wenigstens ist sie mit Luchs nicht alleine. Als die Frau wieder aufbricht, um ihr von der Wand begrenztes Gebiet zu erkunden, ist sie besser ausgerüstet: Durch ein Fernglas beobachtet sie die wie versteinerten Menschen auf einer Nachbarhütte. Der Tod muss rasch gekommen sein. Vielleicht wäre es klüger gewesen, wäre sie mit ihren Freunden ins Dorf gegangen.
Mit der Zeit findet sich die Frau in ihrer neuen Umgebung zurecht. Eine Kuh läuft ihr zu, die sie Bella nennt. Sie pflanzt Kartoffeln an, geht auf die Jagd, übersteht den Winter. Im Sommer zieht sie auf eine nahe gelegene Almhütte und erlebt, von der Weite des faszinierenden Bergpanoramas inspiriert, einen zaghaften Einklang mit sich selbst. Ihr fällt auf, dass sie fast nie mehr daran denkt, es würde sie endlich jemand finden.
Doch eines Tages ist es soweit. Sie wird gefunden, nur anders, als sie denkt. Diese Begegnung verändert ihr Leben ein weiteres Mal und sie söhnt sich auf ihre Art mit den Fragen aus, die sie nie loslassen werden.

Ausgezeichnet mit der LOLA (Deutscher Filmpreis) 2013


     

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