Gloria & Gloriette - Die Kamera










50/50 Freunde fürs (Über)Leben





USA 2012
Regie: Jonathan Levine
Drehbuch: Will Reiser
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Seth Rogen, Anna Kendrick, Bryce Dallas Howard, Anjelica Houston, Serge Houde, Philip Baker Hall
Laufzeit: 100 Minuten


Radiojournalist Adam (Joseph Gordon-Levitt) mag es ordentlich und wartet beim Joggen artig, bis die Ampel auf Grün springt. Das hilft ihm leider wenig, als er wegen seiner ständigen Rückenschmerzen beim Arzt sitzt: Verwirrt destilliert er aus dem medizinischen Fachchinesisch die Worte „Krebs“, „Chemotherapie“ und „Operation“ heraus. Im Internet recherchiert Adam und versteht: Er leidet an einer sehr seltenen Mutation, die einen Tumor an der Wirbelsäule produziert. Seine Überlebenschance: 50 Prozent. Als wäre das nicht schon schlimm genug, muss Adam sich auch mit einem Umfeld herumschlagen, das unfähig ist, mit der Nachricht umzugehen: Sein bester Freund Kyle (Seth Rogen), der immer nur von Sex quasselt, bemüht sich wenigstens ehrlich; Freundin Rachael (Bryce Dallas Howard) dagegen denkt nur an ihre Vernissage; Mama Diane (Anjelica Huston) reagiert absolut hysterisch. Und als begleitende Therapeutin wird ihm die 24-jährige Katherine (Anna Kendrick) zugeteilt, die sich noch in der Ausbildung befindet.

Gags über Haschkekse bei der Chemotherapie, Marihuana auf Rezept und Krebs als Flirthilfe in der Bar: „50/50“ ist alles andere als ein herkömmliches Krebs-Drama. Das Drehbuch schlägt aus Adams Erlebnissen rund um seine Erkrankung soviel Comedy-Potential, dass die Frage erlaubt sein muss, ob es die schreckliche Diagnose Krebs damit nicht verharmlost und konsumierbar macht. Die Antwort: Ja, das stimmt zum Teil – aber „50/50“ versteckt diese Tatsache nicht und manipuliert den Zuschauer nicht auf jene verlogene Weise, wie das diverse Schmonzetten tun. Der Film ist in seinem Herzen eine freche Indie-Komödie, die sich trotz ihres ernsten Themas nicht verbiegen lässt. So kommt der Film dem Lebensgefühl eines Krebskanken Ende 20 näher als mit einem getragenen Tonfall.

Dazu kommt, dass es den Machern gelingt, auch die dramatischen Seiten von Adams Schicksal überzeugend herauszuarbeiten. Vor allem seine Einsamkeit: Denn im Grunde bleibt er mit der Krankheit allein, Freunde und Eltern zeigen sich hilflos und belasten ihn eher noch. Ständig sieht man, wie Adam andere tröstet und beruhigt – und selbst bei der unerfahrenen Psychologin kann er sich nicht wirklich fallen lassen. Das korrespondiert mit einer grundsätzlichen Verschlossenheit der Figur, die sich also auch nicht beim Zuschauer anbiedert. Die Geschichte läuft auf ein dramatisches Finale zu, bei dem das handelnde Personal gezwungen wird, sich wirklich mit Adams möglichem Tod auseinanderzusetzen. Hier kommt der Film dann ohne unnötige Witze, aber auch ohne Sentimentalität aus. So gelingt es ihm, sich ernsthaft mit einem gerade für junge Leute tabuisierten Thema zu beschäftigen, ohne sich aber einen vielleicht typisch amerikanischen, dafür aber nicht unsymptahtischen Grundoptimismus nehmen zu lassen.
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Oliver Kaever


     

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