Gloria & Gloriette - Die Kamera










Shame





Reihe PSYCHOANALYSE & FILM: Mittwoch, 30.10.2013, 20:00 Uhr, Gloria
Lust ohne Lust - Die Verlorenheit des Sexsüchtigen

Vorgestellt von S. Zettl

USA, UK 2011
Regie: Steve McQueen
Drehbuch: Abi Morgan, Steve McQueen
Darsteller: Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge Dale, Nicole Beharie, Hannah Ware, Amy Hargreaves
Länge: 101 Minuten


Der 30jährige Brandon (Michael Fassbender) wirkt nach außen hin erfolgreich. Willkürlich verführt der attraktive New Yorker Yuppie wahllos Frauen. Da er keine emotionale Nähe aushält flüchtet er in schnellen Sex mit Unbekannten, kauft sich Prostituierte, konsumiert Internetpornos. Um seine Sucht loszuwerden joggt der einsame Midnight Cowboy verzweifelt durch die nächtliche Stadt. Vergeblich. Seine harten Wutausbrüche richten sich gegen seine jüngere Schwester (Carey Mulligan), die sich bei ihm einquartiert. Er hasst es, dass sie ihre Schwächen zeigt, glaubt an ihrer Zuneigung zu ersticken. Als sie in einer Bar eine traumhaft traurige Version von „New York, New York“ singt, durchbricht sie für einen Moment seinen emotionalen Panzer.
„Ich fühle mich wohl in meiner Haut“, sagt Fassbender. „Deshalb macht es mir nichts aus, beim Sex in ,Shame' hässlich auszusehen.“ Der 34jährige liest Drehbücher wieder und wieder, bereitet sich akribisch vor – um sich dann in die Rolle wie in ein Extremabenteuer zu stürzen. Nicht zuletzt deshalb gilt der Deutsch-Ire als große Hoffnung unter den Charakterdarstellern. Mit „Inglourious Basterds“ und „X-Men: Erste Entscheidung“ landete er bereits zwei beachtliche Publikumserfolge. „Die Körpersprache ist mein wichtigstes Werkzeug“, erklärt der in Heidelberg geborene Schauspieler. „Mit ihr kann ich den Gemütszustand eines Menschen besser zum Ausdruck bringen als mit einer Dialogzeile.“ Seine nonchalante Ausstrahlung eines Gentlemans, gepaart mit irischem Raubein und deutscher Akkuratesse kommt derzeit gut an. Kein Wunder, dass er bereits für einen Oscar im Gespräch ist.

Regisseur Steve McQueen zeigt alles, ohne es je voyeuristisch auszustellen. Seine kühlen Bilder eines leeren, gefühlskalten Lebens, die dennoch wohlkomponiert sind verraten seine große Stilsicherheit. Sein Faible für lange Einstellungen in Schlüsselszenen zahlt sich nach „Hunger“ einmal mehr aus. Eine selten intime Dialogszene zwischen Bruder und Schwester wirkt fast wie sein Kommentar zur sexualisierten Gesellschaft, der die transzendierende Kraft fehlt. Übrig bleibt das wahnsinnig-verzweifelte Suchen nach dem Körper, dem eigenen und dem des anderen, in einer fremd gewordenen Welt. Ein Abgesang auf die moderne Gesellschaft, der an Bertoluccis Kult-Klassiker „Der letzte Tango“ erinnert.
Luitgard Koch

Ausgezeichnet mi dem FBW-Prädikat: Besonders wertvoll


     

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