Gloria & Gloriette - Die Kamera










Bessere Zeiten





Schweden/Finnland 2010
Regie: Pernilla August
Darsteller: Noomi Rapace, Ola Rapace, Outi Mäenpäa, uva.
Länge: 100 Minuten
FSK: 16 !

D√ľstere Familiengeheimnisse scheinen die Spezialit√§t unserer skandinavischen Nachbarn und das nicht erst seit Thomas Vinterbergs ‚ÄěDas Fest‚Äú. Verborgen hinter der nach au√üen hin b√ľrgerlichen Fassade tun sich nicht selten Abgr√ľnde auf. Das zeigt auf packende Weise auch das Regiedeb√ľt von Pernilla August, der einstigen Lieblingsschauspielerin von Ingmar Bergman. Ihr perfekt inszeniertes psychologisches Sozialdrama um traumatische Wunden, die kaum heilen, besticht nicht nur durch klare, rhythmische Bilder. Im Mittelpunkt der ergreifenden Literaturverfilmung von Susanna Alakoskis semibiographischen Romanbestseller steht zudem die charismatische schwedische Schauspielerin Noomi Rapace.
Die 31√§hrige feierte ihren internationalen Durchbruch mit der Verfilmung von Stieg Larrsons brisanter Kulttriologie. Brillant verk√∂rperte der Shootingstar mit fast unheimlicher Pr√§senz die ungew√∂hnliche Hauptfigur. Auch diesmal wieder spielt sie eine junge Frau, die psychische und physische Misshandlungen erlitt, sich aber weigert, die ihr zugedachte Opferrolle anzunehmen. Doch im Unterschied zur spektakul√§ren Punk-Lady Lisbeth Salander, verdr√§ngt die gl√ľcklich verheiratete Leena ihr Kindheitstrauma bewusst. Sie will sich ihrer Vergangenheit nicht stellen. Aber auch sie muss erkennen, dass einen das Schicksal immer wieder einholt.
V√∂llig √ľberraschend erh√§lt Leena einen Tag vor Weihnachten einen Anruf aus dem Krankenhaus ihrer s√ľdschwedischen Heimatstadt Ystad. Eine Krankenschwester teilt ihr mit, dass ihre Mutter Aili (Outi M√§enp√§√§), im Sterben liegt. Von einer Sekunde auf die andere brechen alte Wunden auf. Die inzwischen 34j√§hrige wehrt sich dagegen. Schlie√ülich hat sie lange gek√§mpft, um ihre Kindheit hinter sich zu lassen. Sie will mit ihrer Mutter nichts mehr zu tun haben. Aber ihr Mann Johan (Ola Rapace) dr√§ngt die junge Frau sich gemeinsam mit ihren beiden kleinen T√∂chtern auf den Weg zu machen. Auf der Fahrt √ľberfallen Leena ihre schmerzhaften Erinnerungen.
Drastische Szenen aus ihrer Kindheit zwingen Leena, sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinander zu setzen. Nahe am emotionalen Zusammenbruch erleidet sie erneut, wie ihre Eltern nach und nach dem Alkohol verfallen, w√§hrend sie verzweifelt versucht, ihren kleinen Bruder Sakari (Junior Blad) zu besch√ľtzen. Zwischen Schwimmwettk√§mpfen und Treffen mit ihrer besten Freundin bem√ľht sich das ernsthafte M√§dchen (Tehilla Blad) krampfhaft, den Schein der Normalit√§t zu wahren. Eine Normalit√§t, die nie existierte.
Schonungslos f√ľhrt das beeindruckende Sozialdrama dabei in langen R√ľckblenden die Hilflosigkeit von Kindern in alkoholkranken Familien vor Augen. Bemerkenswert ausdrucksstark und sehr authentisch verk√∂rpert neben der herausragenden Noomi Rapace vor allem die 15j√§hrige Tehilla Blad das M√§dchen Leena. Bereits in der Millenium-Triologie spielte sie jeweils den Part der jungen Lisbeth Salander.

Luitgard Koch

Schwedischer Filmpreis 2011 f√ľr "Beste Regie", "Beste Nebendarstellerin" und "Besondere Leistungen"


     

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GLORIA FTB GmbH, Heidelberg.
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