Gloria & Gloriette - Die Kamera










Black Brown White





├ľsterreich 2011
Regie: Erwin Wagenhofer
Kamera: Martin Gschlacht
Darsteller: Wotan Wilke M├Âhring, Fritz Karl, Clare-Hope Ashitey, Karl Markovics, Emilio Buale, uva.
L├Ąnge: 106 Minuten

Es ist selten alles nur schwarz und wei├č. Das wissen wir vom Kino wie vom Leben selbst. Gerade das Kino interessiert sich gern f├╝r die Graut├Âne und Schattierungen, f├╝r die Facetten und die Abweichungen von der Norm. So verh├Ąlt es sich auch mit Erwin Wagenhofers Spielfilmdeb├╝t Black Brown White, das schon im Titel ank├╝ndigt, dass es noch etwas anderes gibt in der Welt zwischen Gut und B├Âse, Freund und Feind. Wagenhofer, bekannt durch seine globalisierungskritischen Dokumentarfilme We Feed the World (2006) und LetÔÇÖs Make Money (2008), hat sich in die Welt der Truckerfahrer und Fl├╝chtlinge begeben und ein spannendes Roadmovie zwischen Nordafrika und Europa gedreht.
Es ist die Geschichte von dem ├Âsterreichischen Fernfahrer Don Pedro (Fritz Karl), der regelm├Ą├čig ukrainischen Knoblauch nach Marokko f├Ąhrt und auf dem R├╝ckweg afrikanische Fl├╝chtlinge in einem fensterlosen Hohlraum seines LKWs nach Europa schmuggelt. Ein riskantes, aber lukratives Gesch├Ąft, bei dem bislang alles gut gegangen ist. Doch alles kommt anders, als sich eine junge afrikanische Frau mit ihrem Kind in die Fahrerkabine seines Trucks setzt. Es handelt sich um Jackie (Clare-Hope Ashitey), die in Genf den Vater ihres f├╝nfj├Ąhrigen Sohnes Emanuel (Theo Caleb Chapman), einen UN-Beamten, aufsuchen und mit seiner Verantwortung konfrontieren will. Sie besteht darauf, w├Ąhrend der ganzen Fahrt neben Don Pedro sitzen zu bleiben.
Kein guter Auftakt f├╝r eine ohnehin schon riskante Tour in den Schengenraum. Doch Don Pedro willigt ein und nimmt die Mutter mit ihrem Kind mit. Schon hier zeigt sich, dass er eben nicht nur ein berechnender Schieber ist, sondern anderen tats├Ąchlich bei der Flucht in eine vermeintlich bessere Zukunft helfen will. Nein, Don Pedro ist kein Schwerverbrecher, kein Schmuggler und auch kein Mafiosi. Er handelt illegal, aber er hat das Herz am rechten Fleck. Er entscheidet mit dem Herzen, als er Jackie und Theo mitnimmt, wohl wissend, dass er damit unwiderruflich sein Schicksal besiegelt und eine Fahrt antritt, die sein Leben wahrscheinlich f├╝r immer ver├Ąndern wird.
Der ganze Film wird aus der Perspektive von Don Pedro erz├Ąhlt, einem intelligenten Mann mit b├╝rgerlichen Hintergrund, den es irgendwann zum Abenteuerberuf Truckerfahrer hingezogen hat und dessen Aus├╝bung l├Ąngst zur Routine geworden ist. Er ist ein Mann, der mitten im Leben steht und sich nach etwas anderem sehnt als dem Leben auf der Stra├če, der vielleicht eine Familie gr├╝nden will, etwas Solideres aufbauen m├Âchte. Er wei├č mit seinen Feinden (Polizei, Schlaf, Grenzer, Spediteure) genauso gut umzugehen wie mit seinen Freunden. Er ist offen und kontaktfreudig, wei├č sich die Menschen zu Nutze zu machen ohne sie dabei auszubeuten. Gleich am Anfang des Film lernt er den deutschen Arzt kennen (Wotan Wilke M├Âhring), der ihm sp├Ąter noch unbewusst behilflich sein wird.
Es sind viele Themen, an denen sich Wagenhofer abarbeitet. Er schafft es, genau das richtige Ma├č daf├╝r zu finden. Der Film wirkt an keiner einzigen Stellen ├╝berfrachtet oder gar konstruiert, was sicher auch darauf zur├╝ckzuf├╝hren ist, dass sich Wagenhofer als Dokumentarfilmer hervorragend gut in den Themen seines Films auskennt: Menschenschmuggel, grenz├╝berschreitender Transport, illegale Besch├Ąftigung, Lastwagenfahrer. All das hat er unglaublich gut recherchiert. Trotz seines harten Stoffes gelingt Wagenhofer ein sehr feinf├╝hliger, leichter und stellenweise sehr humorvoller Film. Er f├╝hrt uns die Absurdit├Ąt der Globalisierung vor Augen, zum Beispiel wenn Knoblauch offizielle tausende Kilometer ganz legal durch Europa gekarrt wird, w├Ąhrend Menschen sich illegal zusammenpferchen und zittern m├╝ssen, dass sie es auf die andere Seite schaffen.
Und was erwartet sie in Europa? Was bleibt ├╝brig vom Traum, der Arbeit, ein Einkommen, ein bessere Zukunft hoffen l├Ąsst? Nicht viel. Zumindest bei Wagenhofer. Da landen die Fl├╝chtlinge in den Gem├╝seplantagen von Almer├şa, wo sie, wer wei├č, wie lange noch fest sitzen und Tomaten pl├╝cken. Sp├Ątestens hier macht sich Desillusionierung breit. Der Film erz├Ąhlt sich ├╝ber einfache, klare Bilder. Die Kamera von Martin Gschlacht (Lourdes, Immer nie am Meer, Slumming) blickt ├╝ber die Schulter der Truckerfahrer und inspiziert das Schicksal der Fl├╝chtlinge ÔÇô ganz neutral, ohne es zu bewerten. Er zeigt eben nicht die zehn vor sich hinsiechenden Fl├╝chtlinge im Innenraum des Lasters. Das Grauen k├Ânnen wir uns selbst ausmalen.
"Was nicht mit Geld geht, geht mit viel Geld ÔÇô so ist das bei uns", sagt Don Pedro zu Jackie, als sie in einem Haus ├╝bernachten, das als Spekulationsobjekt gebaut wurde, nie bewohnt und irgendwann weiterverkauft wird. ├ťberhaupt ist so einiges anders in Europa, muss Jackie feststellen. Ein dicker Hintern sei ja in Afrika "beautiful". "Bei uns nicht, leider", muss Don Pedro kontern. Er erkl├Ąrt Jackie wie einem Kind die Kultur Europas ÔÇô mit diesem zynischen Unterton, dass eben die Welt auf der Seite auch nicht besser sei.
Es steckt viel Kritik am System Europa und der Globalisierung in dem Film, die Wagenhofer sehr subtil und geschickt in seine Geschichte verpackt. Der Film ist von der ersten bis zur letzten Minute spannend, gro├čartig gespielt und feinf├╝hlig inszeniert. Wagenhofer ist nicht nur ein brillanter Dokumentarfilmregisseur, sondern wei├č sich auch mit Spielfilmen bestens auszudr├╝cken. Wir d├╝rfen gespannt sein, was er als n├Ąchstes auf die Leinwand bringt.

Katrin Knauth


     

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GLORIA FTB GmbH, Heidelberg.
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