Gloria & Gloriette - Die Kamera










Ziemlich beste Freunde





Mittwoch, 26.02.2014, 14:30 Uhr, GLORIA:
Im Rahmen des aktuellen Seminars „Gebrechlichkeit im Alter“ des Netzwerks AlternsfoRschung (NAR) der Universität Heidelberg

Filmgespräch im Anschluss an die Vorstellung mit Alina Vandenbergh, NAR-Kolleg.
Zusatztermin: So, 02.03.14, 11:30 Uhr, GLORIA:
Filmgespräch mit Frau Dr. Annette Franke, NAR-Kolleg

OT: Intouchables
Frankreich 2011
Drehbuch & Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache
Kamera: Mathieu Vadepied
Darsteller: François Cluzet, Audrey Fleurot, Omar Sy, Clotilde Mollet, uva.
Länge: 110 Minuten

Zwei fantastische Schauspieler prägen und tragen diesen Film: François Cluzet und Omar Sy. Dank einer sensiblen und unauffälligen Regiearbeit bringen sie zwei hinreißend sympathische Figuren auf die Leinwand.
Da ist Driss (Omar Sy), ein junger, farbiger Ex-Knacki, der dringend einen Job und am besten auch gleich eine Wohnung braucht, weil er zu Hause rausgeflogen ist. Das wäre an sich kein großer Verlust, denn in einer winzigen Pariser Vorstadtwohnung mit zirka sieben bis zehn Kindern lebt es sich nicht gerade komfortabel. Seinen eher düsteren Zukunftsaussichten begegnet Driss mit träger Gleichgültigkeit und coolen Sprüchen. Sy spielt Driss als leidenschaftlichen Burschen mit losem Mundwerk. Er ist ein Mann wie ein Bär mit der Eleganz des Furchtlosen, immer wachsam und in Bewegung. Als Mann eine Naturgewalt: ein Macho, wie er im Buche steht, rotzig und cool, trotzdem sehr sympathisch, denn mit seinem entwaffnendem Lächeln und seiner erfrischenden Offenheit nimmt er alle für sich ein. Anfangs schockiert er Philippes zimperliche Angestellten, doch bald trägt er neuen Schwung und gute Laune in den noblen Haushalt. Driss ist in der Lage, problemlos für zwei zu lieben, zu tanzen und für gute Stimmung zu sorgen.
Und da ist Philippe (François Cluzet), der alles hat, wovon man nur träumen kann: jede Menge Geld, einen Stadtpalast mitten in Paris, Hauspersonal, einen Maserati. Aber leider ist Philippe seit einem Unfall querschnittsgelähmt und muss deshalb rund um die Uhr betreut werden. Auch wenn Philippe ständig auf Hilfe angewiesen ist, will er sich mit der Rolle des geduldigen Kranken nicht abfinden, er erwartet kein Mitleid und fordert Respekt. François Cluzet vollbringt eine meisterliche Leistung und zeigt einen hoch intelligenten, sensiblen Mann, der gelernt hat, seine Verzweiflung zu verstecken. Denn eigentlich leidet Philippe nicht so sehr unter seiner Krankheit, sondern vielmehr unter der Einsamkeit, seit er seine Frau verloren hat. Er ist ein Mensch, der sein Schicksal mit Ironie und Sarkasmus zu ertragen versucht und der sich doch nur danach sehnt, zu lieben und geliebt zu werden.
Schnell erkennt Philippe, dass der kesse Driss bei aller Wurschtigkeit genau die richtige Besetzung für den Pflegejob ist. Instinktiv erkennt er, wie er Driss für sich gewinnen kann. Der braucht eigentlich nur eine Unterschrift fürs Sozialamt, dass er sich um einen Job beworben hat. Philippe wettet mit Driss, dass er es keine zwei Wochen bei ihm aushalten wird. Doch Driss hat überhaupt keine Ahnung von Krankenpflege, allein die Vorstellung, einen Mann zu waschen, erfüllt ihn mit Widerwillen. Anfangs scheitert Driss schon daran, den bewegungsunfähigen Mann in den Rollstuhl zu setzen. Aber er lernt schnell, und das Luxusleben gefällt ihm sehr. Er hat nicht nur ein eigenes Zimmer, sondern sogar ein eigenes Bad mit einer prachtvollen Badewanne. Bald erwacht der Ehrgeiz in Driss, der es noch nie lange in einem Job ausgehalten hat. Philippe kommt gut zurecht mit Driss‘ respektloser Art, die beiden liefern sich bissige Rededuelle, in denen Philippe versucht mit Bildung und Niveau zu punkten, während Driss eher bodenständige Interessen vertritt. Aber schließlich raufen sie sich zusammen, die beiden Außenseiter – zwei Desperados, die niemals zugeben würden, wie einsam sie sind. Zwei typische Männer also, die lernen müssen, ehrlich miteinander zu sprechen.
Eines sei verraten: Gemeinsam werden die beiden ungleichen Freunde unheimlich viel Spaß haben. Sie werden sich im Maserati schöne Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern und Driss wird Philippes Rollstuhl tunen, sie werden gemeinsam Orgien feiern, die dröge Pariser Schickimicki-Gesellschaft aufmischen, den internationalen Kunstmarkt beleben und am Ende wird Driss dem Freund dabei behilflich sein, sich den Traum von einer neuen Liebe zu erfüllen.
Und wer nun denkt, das wäre wieder einmal eines dieser Sozialmärchen, hübsch ausgedacht, aber letztlich doch unglaubwürdig, der muss sich eines Besseren belehren lassen, denn Philippe und Driss gibt es tatsächlich – und sie sind bis heute eng befreundet. Und das ist dann das i-Tüpfelchen auf einer sehr amüsanten und bewegenden Geschichte über Freundschaft und die Lust am Leben.

Gaby Sikorski (programmkino.de)


"Ziemlich beste Freunde" ist der erfolgreichste Kinostart eines französischen Films.
Abschlussfilm des Filmfestivals von San Sebastian 2011
Eröffnungsfilm der 11. Französischen Filmwoche, Berlin 2011


     

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