Gloria & Gloriette - Die Kamera










Und dann der Regen - También la lluvia





Spanien/Frankreich/Mexico 2011
Regie: Icíar Bollaín
Drehbuch: Paul Loverty
Darsteller: Luis Tosar, Gael Garcia Bernal, Juan Carlos Aduviri, Karra Elejalde, Cassandra Ciangherotti
Länge: 104 Minuten

Das spanische Filmteam rund um den Produzenten Costa und Regisseur Sebasti√°n hat sich im Luxushotel pr√§chtig eingerichtet, die Proben f√ľr den geplanten Spielfilm √ľber Kolumbus laufen bereits. Alle sind bester Stimmung und voller Idealismus. Sie planen einen ambitionierten Film, der die Rolle der spanischen Eroberer und der Kirche kritisch beleuchtet. Das Budget ist knapp, deshalb hat man Cochabamba in Bolivien als Drehort gew√§hlt: Hier sind die L√∂hne und die Nebenkosten niedrig. Produzent Costa geht mit branchen√ľblichem Zynismus ans Werk und h√§lt die Geldgeber bei Laune, Regisseur Sebasti√°n schw√§rmt von seiner Vision und begeistert alle mit seinen Ideen. Gegen Costas Willen besetzt er die wichtige Rolle des aufr√ľhrerischen Indios Hatuey mit Daniel, einem Einheimischen.
Bald zeigt sich, dass das scheinbare Paradies f√ľr Filmemacher an allen Ecken br√∂ckelt: Der reizende Kolumbus-Darsteller ist ein Trinker, die indigenen Bewohner sind keineswegs so bescheiden und f√ľgsam wie erhofft, und Daniel entpuppt sich als Anf√ľhrer einer Revolte, die sich gegen die Privatisierung des Trinkwassers in Cochabamba zur Wehr setzt. W√§hrend die Dreharbeiten fortschreiten, werden die Parallelen zwischen den fr√ľheren Conquistadores und den Filmleuten offensichtlich. Es geht immer nur ums Geld ‚Äď so sieht es jedenfalls aus, denn die europ√§ischen Filmleute haben zwar idealistische Vorstellungen, aber mit der Umsetzung hapert es gewaltig, sobald die Lage kritisch wird. Die Demonstrationen in der Stadt eskalieren, Daniel wird verhaftet, und die Dreharbeiten sind gef√§hrdet. Erst jetzt erkennen die Europ√§er die unbequeme Wahrheit: Sie k√∂nnen sich nicht mehr aus dem Konflikt heraushalten.
Vor dem wahren Hintergrund des ‚ÄěWasserkrieges‚Äú von Cochabamba im Jahr 2000 entwickelt sich eine brillant konstruierte Geschichte, in der es um Ausbeutung, Mut und Ideale geht. Haben die Menschen in den letzten 500 Jahren dazugelernt? Lassen sich Humanismus, Menschenw√ľrde und Menschenrechte mit der Wirklichkeit vereinbaren, oder handelt es sich um Lippenbekenntnisse? Das sind die Themen dieses beeindruckenden Filmwerkes, das eine fiktionale Handlung mit historischen Tatsachen verkn√ľpft, wobei sich monumentale Filmbilder mit beinahe dokumentarischen Szenen abwechseln. Das ist nicht nur geschickt gemacht, sondern vor allem hochgradig spannend. Die visuelle Umsetzung in Cinemascope-Bilder von √ľberw√§ltigender Sch√∂nheit und realistischer Direktheit ist der genialen Kameraarbeit des Alex Catal√°n zu verdanken.
Auch in der Gestaltung der Charaktere zeigt sich die Qualit√§t dieses Films: Da ist die schillernde, ambivalente Pers√∂nlichkeit des Produzenten Costa. Luis Tosar spielt den pragmatischen Zyniker, der erkennen muss, dass es nicht immer ausreicht, mit Geldscheinen zu wedeln, um sich durchzusetzen. Intensiv und unpathetisch zeigt er den inneren Kampf zwischen Pflichtbewusstsein, Courage und Verst√§ndnis. Als Regisseur √ľberzeugt Gael Garcia Bernal: ein √ľberaus anziehender, charismatischer K√ľnstler, der sich am Ende vor den Tr√ľmmern seiner Ideale wiederfindet. Juan Carlos Aduviri ist der indigene Hauptdarsteller Daniel, ein spr√∂der Charakter voller Widerspr√ľche, der auch die historisch verb√ľrgte Gestalt des Hatuey mit ergreifender Pr√§senz erf√ľllt. Er stellt den entschlossenen K√§mpfer f√ľr Recht und Gerechtigkeit ebenso √ľberzeugend dar wie den besorgten Familienvater, der hin- und hergerissen wird zwischen der Aussicht auf eine gesicherte Zukunft und dem Verrat an seinen Landsleuten.
Insgesamt ist dies eine tolle Ensembleleistung, die Ic√≠ar Bollain, ehemalige Schauspielerin und mittlerweile etablierte Regisseurin anspruchsvoller Filmprojekte, einf√ľhlsam und mit sicherem Blick f√ľrs Wesentliche inszeniert hat. Daf√ľr durfte sie zahlreiche Festivalpreise entgegennehmen, auch die stimmungsvolle Filmmusik und die Kamera wurden hoch dekoriert. Vollkommen zu Recht.
Ein beeindruckender Film mit √ľberragenden Darstellern, einer faszinierenden, spannungsreichen Handlung und wunderbaren Bildern. Kurz und gut: grandioses Kino!

Gaby Sikorski

Ausgezeichnet mit dem FBW-Prädikat: Besonders wertvoll


     

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GLORIA FTB GmbH, Heidelberg.
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